Der Norden ruft

Nachdem es bereits seit mehreren Tagen gen Norden Thailands ging, steuerten wir nun auf Chiang Mai zu. Und dies aus gutem Grund. Einerseits wollten wir uns diese geschichtsträchtige Stadt nicht entgehen lassen, haben einen alten (nicht falsch verstehen, Herr Schärlund) Bekannten der sich dort zur Ruhe gesetzt hat und waren auf der Suche nach einem chinesischen Konsulat. Aber eins nach dem anderen… 

Chiang Mai begrüßte uns mit dem Charme einer etwas anderen Grossstadt. Umgeben von Wäldern, Flüssen und zweifelhaften Elefantencamps, liegt die Perle des thailändischen Nordens. Die von einer massiven quadratischen Mauer umgebene Altstadt ist nicht sonderlich schön anzusehen, besticht aber durch ihren Charme und einer Unmenge kleiner individueller Läden. Hier hatte sich Janna auch zum Friseur gewagt, und wurde von einer kräftig resoluten Thai Dame in die Mangel genommen. Ich hatte meinen Spaß und das Resultat kann sich mehr als nur sehen lassen. 

Uns angelockt hatte jedoch der Warorot Market, ein gigantischer Markt in einem alten Wohngebäudekomplex. Zu kaufen gab es hier wirklich alles (Jack Woolskin Jacken, Fischbadeschlappen, verrückte Handyhüllen,…) und wir schlemmten uns durch die Köstlichkeiten des thailändischen Nordens. Besonders empfehlenswert ist Khao Soi, ein Curry mit frittierten Nudeln. Dieses haben wir dann direkt in einem Kochkurs im Herzen von Chiang Mai‘s Altstadt nachgekocht. Wir hatten jedoch nicht damit gerechnet, dass dieser Kochkurs in Schwerstarbeit ausarten würde. Unsere Lehrerin Pop entpuppte sich als leicht sadistischer Schleifer und ließ uns Ewigkeiten mit dem Mörser ein Curry exerzieren. Aber… lecker wars! 

Um demnächst nach China beziehungsweise Tibet reisen zu können, war es für uns an der Zeit, ein chinesisches Visum zu beantragen. Klingt einfach, ist es aber nicht. Am Konsulat angekommen, wurden wir trotz guter Vorbereitung zunächst weggeschickt um etliche Dokumente zu kopieren. Also ging es mit dem Taxi zunächst in den Copy Shop. Dank Sprachbarrieren brachte uns der stolze Taxifahrer zunächst zu einem Tempel – fast richtig. Nach Hand und Fuß Verständigung und einem Telefonat später kamen wir tatsächlich zu unseren Kopien und fuhren siegessicher zum Konsulat. Das Visum konnte kommen. Denkste! Neben einer fehlenden, wirklich vollkommen unnötigen Kopie des thailändischen Einreisestempels (ein Kopierer stand natürlich direkt hinter der Dame im Konsulat…), wurde uns mitgeteilt dass es aktuell keine Expressvisa gibt und wir somit den ganzen Aufwand umsonst betrieben haben. Frustriert zogen wir von dannen und müssen nun in Hong Kong nochmals unser Glück versuchen. Läuft.

Unsere Laune besserte jedoch der anstehende Trip in die wenig touristische Provinz Mae Hong Son mit unserem ehemaligen und mittlerweile pensionierten Arbeitskollegen, Herrn Schärlund. Standesgemäß begrüßte er uns im Mann+Hummel-Shirt, und in seinem ganzen Stolz, einem geländegängigen Toyota Hilux, ging es zunächst in das Teeanbaugebiet Tambon Mok Cham Pae. In einer malerischen Landschaft wächst hier unter anderem der berühmte Oolong Grüntee. Es mag komisch klingen, aber es waren die ersten Teepflanzen die ich bislang gesehen habe, und unter normalen Umständen hätte ich diese als Gartenhecke angesehen. Aber der Mensch lernt nie aus. 

Am Folgetag ging es an die Grenze zu Myanmar. Die Hauptstraße endete für uns an einem Grenzposten mit Blick auf ein Bergdorf. Nicht spektakulär, aber landschaftlich wunderbar, und ein interessantes Gefühl, auf ein anderes Land zu blicken. 

Die weitere Fahrt führte uns nach Mae Hong Son, wo es in einer wunderschönen Bootsfahrt entlang des Flusses Pai nach Huay Pu Keng ging. Dort lebt abgeschottet ein Bergstamm, dessen weibliche Stammesmitglieder sogenannte Longnecks sind. Die Frauen tragen hier seit Kindesalter Metallreife um den Hals. Mit den Jahren nimmt nicht nur die Anzahl der Reife, sondern auch die Länge der Hälse zu. Spannend zu sehen, jedoch gesundheitlich schwer bedenklich. Die Bewohner dieses Dorfes leben in den einfachsten Verhältnissen, und es zeigte uns einmal mehr, wie gut es „der Deutsche“ eigentlich hat. 

Janna war bereits am Vortag gesundheitlich angeschlagen, und nach der Tour endete ihr Tag mit einem grippalen Infekt im Bett. Auf dem Rückweg nach Chiang Mai stoppten wir bei den Lod Caves, einer gigantischen Tropfsteinhöhle mit der wahrscheinlich unmotiviertesten Führerin dieses Planeten. Spektakulär (trotz Eiltempo und mürrischen Kommentaren) war es trotzdem! Nicht weniger spektakulär war auch die Rückfahrt, entlang der mit Abstand kurvigsten Strecke unserer Weltreise.

Nach einem letzten gemeinsamen Abendessen trennten sich nach diesen vier gemeinsamen schönen Tagen die Wege. Für uns ging es mit dem Zug zurück nach Bangkok. Die Zeit hier nutzte Janna um wieder etwas auf die Beine zu kommen. Zum Abschluss wurde das restliche Bargeld in Cocktails investiert und es ging an den mittlerweile alten Flughafen Don Mueang. Da Deutschland sein Auftaktspiel gegen Mexiko bestritt, fuhren wir extra früh hin, um rechtzeitig eine Sportkneipe zu belagern und nichts vom Spiel zu verpassen. Naja, Don Mueang ist wohl der einzige internationale Flughafen ohne Kneipe. Aber hey, der Livestream richtet es auch, wenn man nicht einen Denkfehler bei der Zeitverschiebung einbaut und somit die erste Halbzeit verpasst… 😉

Ihr seht, es wird nicht langweilig und der nächste Bericht über unsere ersten Schritte in Taiwan folgt bald. Stay tuned!

 

Das Innenleben des Warorot Market
Janna unter intensiver Beobachtung von Schleifer Pop
Wildes Gestampfe
Last cook standing
Et voilà… Khao Soi
Teeanbaugebiet Tambon Mok Cham Pae
So sieht dann wohl die Grenze aus… spektakulär!
Herr Schärlund mit seinem Baby
Grenzgänger
Longneck-Dame
Lod Cave

3
Hinterlasse einen Kommentar

avatar
2 Kommentar Themen
1 Themen Antworten
0 Follower
 
Kommentar, auf das am meisten reagiert wurde
Beliebtestes Kommentar Thema
2 Kommentatoren
Janna & Chrismista_birdy Letzte Kommentartoren
  Abonnieren  
neueste älteste meiste Bewertungen
Benachrichtige mich bei
mista_birdy
Gast
mista_birdy

Werde es später lesen müssen.
Deutschland hat gerade in der Nachspielzeit gegen Schweden 2:1 gewonnen.
Muss erstmal bisschen gefeiert werden.

Ihr/Euer
mista_birdy

mista_birdy
Gast
mista_birdy

So, es kann losgehen. Ausgeschlafen, Tasse Kaffee und Blog. Was gibt’s Schöneres? Ich habe mir lange, ja sehr lange die LongNeck-Dame betrachtet. Oh je, das tut ja schon beim hinschauen weh. Ich glaube aber da passen bestimmt noch ein zwei Ringchen rein. 🙄 Können sie die Reifen auch wieder abnehmen? Was ist, wenn der Hals mal juckt? (Ich fasse mir instinktiv beim lesen schon ständig an meinen Hals.) Parallel läuft schon Wikipedia und Google Maps mit. Ihr seht, Eure Reise wirft langsam mehr Fragen als Antworten auf. 😄 Ich habe jetzt Hunger. Ein leckeres, frisch zubereitetes Curry scheidet leider wegen… Weiterlesen »