Wunderschön, mit einigen Narben – Taiwan, Teil 2

Nachdem wir uns in Hualien fast schon heimisch fühlten, war es an der Zeit in Richtung Norden weiter zu reisen. Auf unserem Weg nach Taitung stoppten wir zunächst bei einem Taiwanischen „Bauernhof“, der Ruisui Farm, bei dem es guten Kuchen geben sollte. Dort angekommen, staunten wir nicht schlecht über die Parkplatzkapazitäten. Es waren Tausende, die zum Glück weitestgehend leer waren. Besagter Bauernhof bestand letztendlich aus einem schicken Souvenierladen, dem angestrebten Kaffee und einer großen Kopfpel, auf der zwei Straußen umherliefen. So sieht also ein Bauernhof in Taiwan aus. Amüsiert setzten wir uns mit Kaffee und Kuchen an die Koppel, und schlagartig war es vorbei mit der Ruhe. Mehrere Reisebusse fuhren den Hof an, und hunderte chinesische Touristen stürmten das Gelände. Irritiert aber auch fasziniert schauten wir uns das wilde Posieren neben den Straußen an, ergriffen jedoch auch bald die Flucht, da weitere Reisebusse bereits im Anflug waren. Sollte jemand noch eine zündende Geschäftsidee suchen… eröffnet einen Bauernhof mit Gastronomie in Taiwan. 😉

Entlang spektakulärer Küstenstraßen ging es weiter nach Taitung, wo wir die wohl bislang verrückteste Unterkunft unserer Reise hatten, ein ausgebautes Abwasserrohr. Dort angekommen empfahl uns der Besitzer zunächst, auf einen kleinen Berg ganz in der Nähe zu fahren und dort den Sonnenuntergang zu genießen. Und so quälten wir unser Auto die wohl steilste Straße Taiwans den Berg hinauf. Nachdem zunächst ein Teil der Straße vermutlich einem Erdrutsch zum Opfer gefallen ist, wuchsen bereits unsere Zweifel, ob wir es nach oben schaffen werden. Als unser Auto dann noch stark anfing zu riechen, entschlossen wir, einfach die Aussicht auf halber Höhe zu genießen. Denkste! An diesem Hang lebten Unmengen tellergrosse Spinnen, die bei mir bereits zu starkem Unwohlsein und bei Janna zum totalen Streik führten. Und so ging es irritiert wieder nach unten. Als Alternative steuerten wir den längsten Sandstrand Taiwans an. Der Stand war tatsächlich wunderschön, jedoch hat auch hier der Mensch wieder sämtliche Schönheit durch sein Eingreifen befleckt. Neben Unmengen an angeschwemmten Müll, wurde an den Strand ein Hotel der Superlative gebaut, welches leer steht und leider komplett verfallen ist. Warum? Das Hotel wurde sieben Mal größer gebaut als zugelassen, und die Regierung hat den Betreibern die Lizenz entzogen bevor es eröffnet wurde. Das Resultat ist eine Bauruine an einem der schönsten Flecken Taiwans. 

Den späten Abend ließen wir mit unserem gut angetrunkenen Gastgeber und dessen Freunden bei einem Bier ausklingen, bevor es ab in die Röhre ging. 

Nach einer erstaunlich guten Nacht ging es am nächsten Morgen in Richtung Kenting National Park. Kurz vor Abfahrt kam unser schwer verkaterter Gastgeber auf uns zu und fragte, ob wir ihn mit in die Stadt nehmen könnten, wo er im Rausch des Vorabends offensichtlich sein Gefährt hat stehen lassen. Und so setzten wir den armen Teufel ab, froh, dass er sich nicht im Auto übergeben musste, und es konnte endlich gen Norden gehen. 

Im Kenting National Park ging es zunächst in die Kenting Forrest Recreation Area, einem großen parkähnlichen Areal. Besonders gereizt hatten uns hier die Tropfsteinhöhlen, und der Besuch sollte sich mehr als lohnen. Die Gegend um Kenting ist hauptsächlich korallischen Ursprungs, sprich Plattenverschiebungen haben Steinkorallen aus dem Meer an die Oberfläche des Festlands getragen, und hier sind über Jahrtausende Tropsteinhöhlen entstanden. Es ist so schon schizophren, baumbewachsene Korallen zu sehen, jedoch noch verrückter, durch eine von Fledermäusen bewohnte Tropfsteinhöhle aus Steinkorallen zu wandern. Der Aussichtspunkt auf diesem „Korallenberg“ konnte sich auch mehr als nur sehen lassen, aber schaut euch einfach die Bilder an. 

Am Folgetag ging es auf die kleine Insel Lambai Island, welche auch korallischen Ursprungs und für ihre grünen Meeresschildkröten bekannt ist. Bereits am Fährterminal wurde uns klar, dass wir die Insel wohl nicht für uns allein haben werden. Dort angekommen fanden wir uns zwischen tausenden chinesischen Touristen wieder, von denen erstaunlich viele eine Schwimmweste trugen. Noch war uns nicht ganz klar warum… noch nicht. Mit dem Roller ging es an eine nahegelegenen Bucht zum schnorcheln, und dort fanden wir die Lösung des Schwimmwestenmysteriums. Im Wasser trieben an einer Leine Umengen in Schwimmwesten gestopfte Touristen und wurden von einem Guide wie an einer Kette aufgereiht durch das Wasser gezogen. Schnorcheln 2.0. Amüsiert, aber mit wenig Hoffnung auf Schildkröten, stürzten wir uns ins Wasser und da waren sie. Jede Menge gigantische Meeresschildkröten, die elegant durch das Wasser gleiteten oder an Korallen kauten. Faszinierende Wesen, wovon ihr euch ein schönes Exemplar in den Videos ansehen könnt. 

Unseren Abschluss im Kenting National Park fanden wir an der rauen Ostküste und den Longpan Grasslands, einer bildschönen Steilküste, deren Plateaus flächig mit Grass bewachsen sind. Getrübt hat dieses schöne Bild wieder einmal Tonnen an angeschwemmtem Müll. 

Da es so langsam an der Zeit war, Taiwan zu verlassen, legten wir einen zweitägigen Zwischenstopp im Landesinneren ein. Es ging in die Ren‘ai Township, einem kleinen Ort am Rande des Taroko National Park Gebirges. Bereits unsere Unterkunft lag auf 1500 Metern Höhe, und die Aussicht auf die Berge war traumhaft schön. Und noch viel besser, es war endlich mal wieder kühl und wir bemerkten, wie viel Energie eigentlich in unseren Körpern steckt, wenn diese mal nicht dauerhaft über 30 Grad Celsius und 85 Prozent Luftfeuchte ausgesetzt sind – es war herrlich! 

Mit dem Ziel, den zweithöchsten Berg Taiwans zu bewandern, ging es trotz strömenden Regens auf den Weg zum Mount Shihmen. Entlang steiler enger Bergstraßen und unter widerlichen Wetterbedingungen ging es auf 3000 Meter Höhe, und wir durften feststellen, dass Asiaten wirklich nicht zimperlich sind. Mit einem breiten Lächeln, Flipflops an den Füßen und in bunte Kunstoff-Einmalregenjacken gehüllt, ging es mit dem Roller die überfluteten Straßen den Berg hinauf. Respekt!! Leider hatte sich unsere Hoffnung auf besseres Wetter nicht bewahrheitet, und so ging es im strömenden Regen und bei dünner Luft auf den Weg zur Spitze des Mount Shihmen. Stolz auf 3237 Metern angekommen, blickten wir patschnass leider nur auf Wolken. Die Wanderung war jedoch trotzdem klasse, und der eingeschränkte Ausblick, den wir teilweise erhaschen konnten, war gigantisch. Bei schönem Wetter ein absolutes Muss während einer Taiwan Reise. 

Auf dem Weg nach unten entdeckte Janna eine Schaffarm an der wir Halt machten. Farmen und Asiaten, das musste witzig werden. Und so war es natürlich auch. Im strömenden Regen luden Reisebusse hunderte Touristen aus, die den schrägen Souvenierladen (es gab Schafkugelschreiber, Schafkostüme, Schafhaarreife,…) plünderten und wild posierend den freilaufenden Schafen hinterher liefen. So hatte das Wort Touristenattraktion mal wieder eine ganze andere Bedeutung. 

Schweren Herzens ging es von Ren’ai wieder nach Taipeh, denn die nächste Station unserer Weltreise steht an, Hongkong. Neben dem Erkunden der Stadt liegt hier unser Schwerpunkt darauf, das Visum für China zu bekommen. Ob dies geklappt hat und was wir in Hongkong erlebt haben, könnt ihr in unserem nächsten Beitrag lesen.

Hotelruine an einem der schönsten Strände Taiwans…
…,denn es wäre sonst auch zu schön
Fairy Cave in der Kenting National Forest Recreation Area
Aussicht auf den Kenting National Park
Longmen Grasslands
Der perfekte Ort um Gedanken schweifen zu lassen
Der Klassiker an der gesamten Küste Taiwans – angeschwemmter Müll
Geschafft, trotz Sauwetter
Einer der wenigen Augenblicke in dem wir auf dem Mt. Shihmen eine „Aussicht“ hatten

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mista_birdy

Hier mal die wichtigsten Übersetzungen für Hongkong.

Sind das Wolken oder Smog?
這些雲還是煙霧?
Zhèxiē yún háishì yānwù?

Wo können wir Atemschutzmasken kaufen?
我們在哪裡買呼吸面罩?
Wǒmen zài nǎlǐ mǎi hūxī miànzhào?

Was ein niedliches Kätzchen.
多麼可愛的小貓。
Duōme kě’ài de xiǎo māo.

Bitte zweimal Hähnchen süß sauer.
請雞兩次甜甜的酸。
Qǐng jī liǎng cì tián tián de suān.

Ihr/Euer
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