Über Höhen und Höhlen – Xuankong Si und die Yungang Grotten

Die günstigste Art und Weise, nach Datong zu kommen, war der Bus. So buchten wir uns online ein Ticket und hofften auf eine entspannte Reise. Natürlich umsonst. In China läuft gefühlt nichts entspannt! Erstens war es unmöglich, ein Taxi von unserer Unterkunft in Peking zum Busbahnhof zu bekommen. Wir standen in sengender Hitze sicher eine halbe Stunde mit voller Gepäckmontur am Straßenrand, und es rauschten im Sekundentakt Taxis an uns vorbei, jedoch alle voll. Irgendwann gaben wir entkräftet auf und suchten uns unseren Weg mit der U-Bahn (unnötig zu erwähnen, dass diese immer bummvoll sind und man nie einen Sitzplatz bekommt, egal wie schwer man beladen ist). Wir hatten dadurch viel Zeit verloren und kamen sehr spät am völlig überfüllten Bahnhof an, wo wir noch einmal eine lange Zeit anstanden, bis wir endlich unsere Tickets hatten. Fünf Minuten vor Abfahrt fielen wir erschöpft in unsere Sitze, die natürlich diejenigen mit der wenigsten Beinfreiheit und der schlechtesten Belüftung im ganzen Bus waren. Aber es waren ja nur vier Stunden Fahrt… aus denen letztendlich über sechs wurden, aufgrund des horrenden Verkehrs. Durchgeschwitzt und müde wurden wir am Ankunftsort gleich in ein Taxi verfrachtet (immerhin gab es hier welche!) und zu unserem Hotel gefahren. Auch hier standen wir natürlich wieder ewig im Stau, da gerade Rush Hour war. Unser Fahrer war jedoch sympathisch und quatschte uns die ganze Zeit mithilfe seiner Übersetzer-App voll. Wir sahen, dass er günstige Fahrten zu dem hängenden Kloster Xuankong Si und den Yunggang-Grotten anbot, und da wir gerade genug von den öffentlichen Verkehrsmitteln hatten, buchten wir ihn für den nächsten Tag.

Unser Hotel lag direkt in der Altstadt und machte einen hervorragenden Eindruck für den günstigen Preis, den wir gezahlt hatten. Kein Vergleich zu den Preisen in Peking! Wir ließen uns an der Rezeption einen Tipp für ein gutes und billiges Abendessen geben, und saßen kurz danach in einem kleinen Nudelrestaurant, in dem sicher auch schon lange keine westlichen Touristen mehr saßen. Jedenfalls starrten sie uns erst einmal alle mit offenen Mündern an, als wir den Laden betraten. Mittels Zeichensprache bestellten wir uns die für diese Region typischen frischen Nudeln, die direkt von einem großen Teigblock ins heiße Wasser geschabt werden. Sie waren so gut, dass wir hier in den zwei Tagen unseres Aufenthalts insgesamt dreimal zu Gast waren. Schon beim zweiten und dritten Mal freuten sich die Gastgeber sichtlich und wir fühlten uns schon ganz heimisch. Sehr angenehm, wenn man auch einmal weiß, was man zu essen bekommt, anstatt sich immer überraschen zu lassen! Nach so langer Zeit des Reisens und des ständigen Unterwegsseins genießt man es, wenn irgendwo auch nur ein bisschen Routine einkehrt. Vor allem in so fremden Ländern wie China wird selbst das abendliche Essengehen oft zu einer Herausforderung, da man sich so gut wie nie verständigen kann oder auch nur die Karte versteht – wenn es denn eine gibt. Und auch die Zeichensprache funktioniert hier anders. So versteht es z.B. keiner, wenn man die ersten drei Finger einer Hand zeigt (inklusive Daumen), wenn man drei Stück von etwas will. Nein, dann bekommt man acht Stück davon. Wir prägten uns daher Handzeichen, einige einfache Schriftzeichen und Wörter ein, mit denen wir bisher ganz gut durchkommen.

Zurück zum Abendessen! Die Nudeln waren köstlich, und wir spazierten danach noch etwas durch die Altstadt. Besser gesagt, wir ließen uns durch die Altstadt schieben. Als wären über drei Millionen Einwohner nicht genug, überfluteten auch noch viele chinesische Touristen die Stadt, nicht zuletzt, weil bald ein großes Jackie-Chan-Filmfestival anstand. Und dies musste groß eingeleitet werden, jedenfalls war der große Hauptplatz in der Altstadt ein einziger Rummelplatz mit riesigen Leinwänden, blinkenden Autoscootern und natürlich Millionen von Essensständen. Nach so einem langen Tag hatten wir bald genug von dem Trubel und ließen uns zurück in unser Hotel schieben, wo wir bald ins Bett fielen.

Der nächste Tag fing früh an, und unser Taxifahrer holte uns pünktlich ab. Wir genossen den Luxus, sich einmal nicht um die Organisation und den Transport kümmern zu müssen, in vollsten Zügen! Kaum hatten wir die Stadt hinter uns, befanden wir uns inmitten einer traumhaften Kulisse, umgeben von Bergen und Wäldern, die uns nach so viel Großstadt noch mehr als sonst begeisterten. Wir ahnten jedoch schon, dass diese Idylle spätestens dann ein Ende haben sollte, sobald wir am Kloster ankommen sollten. Schließlich ist es die Attraktion Nummer eins in der Datong-Region, so dass wir Millionen von Menschen erwarteten. Es hielt sich jedoch dann in Grenzen, da wir früh da waren, so dass wir nach ungewohnt kurzer Anstehzeit auf einem großem Platz standen. Und da hing es, das Kloster, komplett aus Holz gebaut, sich in den Berg schmiegend. Unmöglich, sich vorzustellen, wie aufwändig es war, diese Konstruktion zu errichten. Vor allem mit den damaligen Mitteln, vor über 1500 Jahren! Bis in die 70er Jahre wurde das Kloster von Mönchen bewohnt; erst danach wurde es für die Öffentlichkeit freigegeben. Was ein Glück für uns, denn so konnten wir zusammen mit hunderten von weiteren Touristen die steilen und engen Stufen bis zu den obersten Räumen des Bauwerks erklimmen. Ich muss gestehen, mir wurde schon sehr anders, als wir uns dort in diesen luftigen Höhen mit sehr niedrigem Geländer den schmalen und wackligen Gang entlang tasteten. Hier vergaßen sogar die Chinesen, Fotos mit ihren Handys zu machen, und das will was heißen! Eine Stufe weiter unten wurde dies jedoch umso eifriger nachgeholt. Fast konnte man meinen, Chris und ich seien die eigentliche Attraktion, jedenfalls stürzte sich einer nach dem anderen auf uns, um sich mit uns Arm in Arm fotografieren zu lassen. Es war ein Heidenspaß! Das Kloster selbst hatte uns schwer beeindruckt, und wir standen nach dem Rundgang noch lange unten und genossen den ungewöhnlichen Anblick.

Als nächstes brachte uns unser Fahrer zu den Yungang Grotten, einer buddhistischen Tempelanlage bestehend aus über 250 Höhlen und Grotten, von denen aber nur einige zugänglich sind. In diesen Kammern wurden über 51.000 Buddhastatuen aus dem Sandstein herausgearbeitet, die größte davon ist 17 Meter hoch! Wir arbeiteten uns von Höhle zu Höhle, und staunten nicht schlecht über die unglaublich Vielzahl der Statuen und die Kunstfertigkeit ihrer Erbauer. Manche Höhlen waren regelrecht gepflastert von hunderten kleiner und großer Buddhas, so weit das Auge reichte. Wirklich beeindruckend! Durch die Größe der Anlage verteilten sich auch die Touristenströme auf ein angenehmes Maß, und so kehrten wir müde aber entspannt in unser Hotel zurück. Am nächsten Tag stand schon die Weiterreise nach Xi’an mit dem Nachtzug an, so dass wir den Tag bald ausklingen ließen. Als hätten wir geahnt, dass die nächsten Tage viel Kraft kosten würden… Aber mehr dazu im nächsten Beitrag!

Die volle Altstadt von Datong
Eins mit dem Berg – Xuankong Si
Neugewonnene Freunde
Beeindruckende Kunstfertigkeit in einer der Yungang-Grotten
Open-Air Buddha

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Alex
Gast
Alex

Nihau,
Ich bin so krass im Jetlag – ich schlaf irgendwie gar nicht, da schreib ich mal was in Euern Blogg… sehr schöner Bericht über Datong, muss ich mir mal merken. Ich plane am Wochenende einen Ausflug nach Xi‘an – echt schade dass wir uns verpassen. Viel Spaß noch in China und auf Eurer geänderten Reiseroute

mista_birdy
Gast
mista_birdy

Sehr schöne Bilder und interessante News.
Das erinnert mich an unsere damalige Asienreise. In Indonesien wollte jede zweite aus dem Telefonbuch Fotos mit uns blonden Europäern machen. Wir waren eine, nein, die Attraktion. Hatte uns auch riesigen Spaß gemacht, mal fast wie ein Star zu sein. 😀
Hier noch was zur besseren Verständigung:
Warm heißt auf Chinesisch „hei zung“ und kalt „koa hei zung“. 😂

Ihr/Euer
mista_birdy