Xi‘an und Xining – Auf den Spuren des alten Kaisers

Unser nächstes Reiseziel war Chinas alte Hauptstadt Xi‘an. Und so landeten wir am Bahnhof von besagter Stadt und fanden uns in einem Meer von Menschen bei 40 Grad Celsius wieder. Nach einer halbstündigen vergeblichen Suche nach einem Taxi – sie waren entweder voll oder wollten uns nicht mitnehmen – gingen wir einen überteuerten Deal mit zwei Rollerfahrern ein. Ein noch längeres Warten bei diesen Temperaturen und unseren Gepäckmassen war nicht drin. Mein Fahrer schien dies jedoch zum ersten Mal zu machen, und so stürzten wir auf den ersten Metern direkt. Aber dann, dann fuhren sie und fuhren und fuhren… in die falsche Richtung. Nach wildem Gestikulieren und einer Tour durch halb Xi‘an ließen wir uns entnervt in der Nähe der Airbnb Wohnung absetzen und mussten feststellen, dass der Gastgeber uns die falschen Standortdaten geschickt hatte. Einen schweißtreibenden Fußmarsch später hatten wir es dann aber geschafft und wurden von zwei jungen Chinesen in der Wohnung empfangen. Der erste Eindruck der Wohnung war gut, aber als wir alleine waren, fiel uns langsam auf, dass wir uns hier schwer getäuscht hatten. Es war nichts geputzt, in der Toilette noch Hinterlassenschaften der vorherigen Gäste, ein nach Kloake riechendes Bad, eine völlig kaputte Küche und ein Bett hart wie Stein. Die Nerven lagen blank. Da uns eine Storniernung teuer zu stehen gekommen wäre, organisierten wir eine erneute Reinigung und richteten die Wohnung zumindest auf ein akzeptables Maß her. Rein nach den Bewertungen beurteilt, sollte diese Wohnung das Nonplusultra in Xi‘an sein. Es wurde wohl bisher auf Dinge wert gelegt, die für uns von minderer Bedeutung sind. 

Das Wahrzeichen von Xi’an ist die Dayan Pagode, ein 64 Meter hoher Turm welcher zum Gedenken der verstorbenen Mutter des Kaisers Gaozong errichtet wurde. Das Bauwerk ist von einem schönen Garten sowie der größten Springbrunnenanlage Asiens umgegeben. Besonders angetan hatten es uns hunderte von Grantapfelbäume, die um die Pagode herum gepflanzt waren. Im Anschluss ging es in das Muslim Viertel, und plötzlich standen wir in einer anderen, kunterbunten, wohlduftenden Welt. An Unmengen von Ständen wurde Nougat geklopft, Fladenbrote gebacken, bunte Reiskugeln frittiert und Eis geschabt. Wir konnten nicht anders und probierten uns durch gefühlt jede Speise durch. Es war köstlich! 

An der Pagode buchten wir eine Tour zur weltberühmten Terrakotta Armee, und so wurden wir am frühen Morgen von unserem äußerst witzigen Guide abgeholt. Zunächst versuchte auch er ein Taxi zum eigentlichen Auto zu organisieren, und wir mussten mit Genugtuung feststellen, dass selbst ein Local hierbei größte Probleme hat. Angekommen an seinem Auto, trafen wir ein sehr nettes mexikanisches Pärchen sowie den Fahrer, welcher sich als Cousin des Guides ausgab. Sechs Leute und ein Auto mit fünf Sitzplätzen? Kein Ding! Unser Guide quetschte sich einfach in den Mini-Kofferraum, streckte grinsend seinen Kopf zwischen Janna und die Mexikaner und stellte das Tagesprogramm vor. Und so ging es, nachdem unser Fahrer sich selbst auf Arbeit abgesetzt hatte, zunächst zur Terrakotta-Fabrik. Uns wurde der Herstellprozess der Terrakotta Figuren erläutert und wir konnten den Angestellten über die Schulter schauen, wie in liebevoller Handarbeit kleine und große Krieger geschnitzt und bemalt wurden. Wirklich sehr beeindruckend! Etwas schade war die anschließende Führung durch die, mit aufdringlichen Verkäufern gespickten, Verkaufshallen. Weiter ging es zum eigentlichen Highlight, der Ausgrabungsstelle. Im Jahr 1974 entdeckte ein Bauer Terrakottascherben und meldete dies. Was er fand, war das Mausoleum von König Qín Shǐhuángdìs, welches sich auf einer gigantischen Fläche von 56 Quadratkilometer erstreckt und von 221 v. Chr. bis zu seiner Beisetzung 210 v. Chr. errichtet wurde. Für uns völlig unvorstellbar. Noch zu seiner Lebenszeit ließ er sich eine Armee von lebensgroßen Kriegern der verschiedensten Ränge aus Terrakotta fertigen. In Summe werden knapp 8.000 Krieger vermutet, von denen bislang in etwa 3.000 Stück ausgegraben wurden. Nur ein einziges Exemplar konnte nahezu unbeschädigt geborgen werden. Der Rest wurde in mühsamer Arbeit aus kleinsten Scherben zusammengesetzt, was uns schwer beeindruckte. 

Bei glühender Hitze ging es anschließend weiter an die Grabstädte des Königs. Mit den Worten „let your fantasy play“, schickte unser Guide uns durch die sengende Hitze zu einem Hügel unter dem der König begraben liegt. Eingang? Fehlanzeige! Es wurde von der Regierung beschlossen das Grab weder zu öffnen, noch es zugänglich zu machen. Und so ließen wir unserer Fantasie freien laufen und kehrten klatschnass geschwitzt zu unserem Guide zurück, der es sich im Schatten gemütlich machte. 😉

Der Abschluss in Xi’an war ein abendlicher Besuch der Dayan Pagode. Hier findet jeden Abend eine Springbrunnen-Licht-Show statt, welche trotz schubsender und drängelnder Chinesen wirklich sehr schön war.

Nächster Stopp unserer Weltreise war das 2300 Meter hoch gelegene Xining, um uns auf die anstehenden Höhen in Tibet zu akklimatisieren. Wieder ging es in eine Airbnb Wohnung, und wir mussten feststellen dass das Bett leider wieder knochenhart war. Die Wohnung an sich machte einen deutlich besseren Eindruck, jedoch waren wir auch hier wieder erschrocken darüber, wie fertig und teilweise heruntergekommen das offensichtlich neu erbaute Hochhaus bereits war. Leider etwas, das sich durch die komplette China Reise zieht. Unsere Tage in Xining verbrachten wir ausschließlich mit Bergwanderungen, der ausgesprochen leckeren lokalen Küche und genossen die verhältnismäßig wenigen Menschen und kühleren Temperaturen. Und dann war es auch soweit, es ging mit dem Zug nach Lhasa, einen der Highlights unserer Reise. Was wir dort erlebt haben und wie unsA die Höhenluft bekommen ist, erzählt euch Janna im nächsten Beitrag. 

Noch ein paar Worte zum Abschluss. Die Reiseaktivitäten in Tibet, sowie die Reise nach Alaska haben unsere Blogaktivitäten recht stark eingeschränkt. Ab sofort geht es jedoch in altbekannter Aktivität weiter.

Dayan Pagode
Lebensgefährliche Riesenspringbrunnen
Das bunte Muslimviertel
Terrakottainfanterist
Terrakottageneral
Großartige Handarbeit in der Terrakottawerkstatt
Die Infanteristen – ca. 3000 Krieger
Hier entstehen in mühsamer Arbeit aus Scherben wieder Krieger
Der besterhaltene Krieger
Wasser-Lichtshow an der Dayan Pagode
Xining von oben, nichts als Natur

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