Der Berg ruft – Reise zum Mount Everest

Nun war es soweit, die Abfahrt aus Lhasa zu einem unserer absoluten Highlights der Weltreise, dem Mount Everest, stand an. In Vorbereitung auf die körperlichen Strapazen, deckten wir uns mit Sauerstoff, Medikamenten gegen die Höhenkrankheit und jeder Menge Energie in Form von Schokolade ein. Ein Paradies für Janna. 

Mit dem Minibus ging es los in Richtung Shigatse, unserem Tagesziel. Als uns unser Guide erklärte, dass wir für die 350 Kilometer in etwa sieben Stunden fahren werden, konnten wir bereits erahnen, dass es keine bequeme Kaffeefahrt werden würde. Und so schlängelten wir uns zunächst durch das wunderschöne Yarlung River Valley in Richtung Yamdrok Lake, einem der heiligsten Seen Tibets. An den Hochpässen dorthin, lernten wir neben der unfassbaren Schönheit Tibets auch eine unschöne Seite kennen, Kommerz mit Tieren. Es wurden riesige, löwenartig frisierte Hirtenhunde für Fotos zur Schau gestellt, Lämmer den Touristen in den Arm gedrückt, und es konnte auf Yaks geritten werden. Ein Paradies insbesondere für Asiaten aber die Hölle für die Tiere, denn diese wurden ständig grundlos mit Stöcken von ihren geldgierigen Besitzern geschlagen. So schnell werden die Werte des Buddhismus „vergessen“…

Tibetischer „Tierfreund“

Die Anreise zum Yamdrok Lake führte nach oben, weit nach oben. Am Kamba La Pass auf 4998 Metern angekommen, bekamen wir einen ersten Vorgeschmack auf das Base Camp. Die Luft war dünn, es setzten leichte Kopfschmerzen ein und jeder noch so langsame Schritt fiel schwer. Was wir jedoch von dort zu sehen bekamen verschlug uns die Sprache. Unter uns erstrahle der von Bergen umsäumte Yamdrok Lake in einem Türkis, wie wir es bislang nur vom Meer her kannten. Für uns einer der schönsten Orte, an denen wir jemals waren. Am See angekommen, bestaunten wir das glasklare Wasser, was in China leider eine Seltenheit ist.

Yamdrok Lake, die heilige Schönheit
Janna‘s kleiner Begleiter darf auch nicht fehlen

 

 

 

 

So sieht Entspannung aus

Mit andauernder Fahrt änderte sich das Bild um uns herum. Aus begrünten Bergen und gelben Blütenfeldern im Tal wurden graue, kühle Berge, und wir konnten die ersten Gletscher sehen. Bei einem dieser Gletscher machten wir auf 5020 Metern Höhe halt, dem Karo la Glacier. Einfach gigantisch diese Eismassen. Und so kamen wir spät Abends ausgehungert mit vielen tollen Eindrücken in Shigatse an.

Karo La Glacier Gletscher

Viel Zeit, um die gesammelten Eindrücke zu verarbeiten, hatten wir nicht. Es ging am nächsten Morgen direkt weiter in Richtung Everest Base Camp. Wir passierten zahlreiche Dörfer in denen Bauern ihre Ziegen, Schafe und Yaks durch die Straßen hinaus auf die Hochwiesen trieben. Die Häuser waren sehr einfach und roh, strahlten jedoch eine unheimliche Gemütlichkeit und Wärme aus. Auch die Menschen hier wirkten glücklich und sehr zufrieden. Kinder badeten nackt in den Gebirgsflüssen, die Älteren saßen vor ihren Häusern und beobachteten das Treiben und die Bauern standen ruhig in ihrer Schafsherde. Die Welt ist hier einfacher, aber definitiv noch in Ordnung. Nach den Dörfern schlängelten wir uns durch eine Unmenge an Kurven nach oben und unser Fahrer lief zur Höchstform auf. Er fetzte die enge Straße entlang, überholte an den unmöglichsten Stellen, schanzte über die Bodenwellen und hatte jede Menge Spaß dabei. Seinen leicht wahnsinnigen Fahrstil machte jedoch die unglaubliche Aussicht wett, die nach jeder Kurve für erneutes Staunen sorgte. Und plötzlich standen wir am Gyatso La Pass, mit 5248 Metern der höchste Ort unsere Reise durch Tibet. Leider war es sehr wolkig und so war die Aussicht stark eingeschränkt. Vom Gyatso La Pass ging es weiter zum Geu La Pass. Bei schönem Wetter hätten wir hier die Möglichkeit gehabt, fünf der fünfzehn höchsten Berge der Erde zu sehen. Leider machten uns auch hier die Wolken einen Strich durch die Rechnung, was zu dieser Jahreszeit jedoch auch üblich ist. Die Aussicht war aber auch so einfach atemberaubend.

Der schwindelerregende Weg herab vom Geu La Pass
Geu La Pass – hinter den Wolken liegen fünf der fünfzehn höchsten Berge der Erde

 

 

 

 

 

 

In der Hoffnung, den Everest überhaupt zu sehen, ging es weiter in Richtung Base Camp. Kurz vor Ankunft hielten wir an der Rongphu Monastry, dem höchsten Kloster der Welt. Bei unserer Ankunft wurde gerade von den Dorfbewohnern unter lauten rhythmischen Gesängen ein neuer Lehmboden verlegt. Und so erkundeten wir von Gesängen begleitet dieses kleine, sehr schön detaillierte Kloster. Nur wenige Meter weiter kamen wir auf 5020 Metern Höhe in einer Zeltstadt an, dem Base Camp für Touristen. Dieses liegt in etwa zwei Kilometer vor dem eigentlichen Camp der Bergsteiger entfernt und war unser neues zu Hause für die nächste Nacht. Das Zelt war abgefahren. Der Hauptraum bestand aus einem Ofen der mit getrockneten Tierkot befeuert wurde, jeder Menge Betten und einer Unmenge an Decken und allem was Wärme spendet. Da wir recht früh ankamen, verteilte sich unsere kleine Gruppe auf zwei Nebenräume in denen etwas mehr Privatsphäre herrschte. Weniger abgefahren waren die Toiletten. Auf circa 500 Menschen gibt es fünf Squat-Toiletten. Ah, fast vergessen… ohne Spülung. So befand sich, wie bei einem Adventskalender, hinter jedem Türchen stets eine andere Überraschung. Auf Bilder verzichten wir ausnahmsweise. 😉

Bei Kälte und im Regen ging es dann zu Fuß aus der Zeltstadt heraus, in Richtung Everest. Und klar, er war wieder von Wolken verhangen und leider nicht sichtbar. Während Chinesen vor dem Everest Base Camp Stein posierten, verzog sich unsere Gruppe in ein weiteres Kloster, welches mehr eine Höhle war. Und dort saßen zusammengekauert wir für eine Ewigkeit und genossen diesen magischen Ort. 

Wohnzelt am Everest Base Camp

 

Base Camp Zeltstadt

 

 

 

 

 

 

Einigen in unserer Gruppe machte die Höhe zunehmend zu schaffen, und auch Jannas Gesundheitszustand verschlechterte sich. Kopfschmerzen, Übelkeit und Kurzatmigkeit machten sich breit und ließen Janna am eigenen Leib erfahren, was die Höhenkrankheit mit dem Körper macht. 

Die Nacht im Base Camp war entsprechend übel, und so ging es völlig gerädert am frühen Morgen vor das Zelt. Und der Everest, er war wieder behangen, allerdings die Wolken stark in Bewegung. Janna, der es nochmals eine Nummer schlechter ging als am Vorabend, kämpfte sich tapfer mit in Richtung Everest und wir wurden belohnt. Um 7:20 Uhr rissen schlagartig die Wolken auf und wir sahen ihn in voller Pracht. Mit 8844,43 Metern stand der höchste Berg der Erde vor uns. Sein plötzliches Erscheinen wirkte schon fast etwas inszeniert, und selbst unser Guide konnte unser Glück kaum fassen. Wir genossen den Anblick dieses Riesen für eine gefühlte Ewigkeit. Etwa eine Million Fotos später ging es zurück zur Zeltstadt, und es war an der Zeit schleunigst nach unten zu kommen, denn die Höhenkrankheit setzte unserer Gruppe stark zu. Fortsetzung folgt!

Noch war er von Wolken verdeckt…

 

…doch dann öffnete sich langsam der Vorhang…

 

 

 

 

…und er erschien in voller Pracht, der Mount Everest!

 

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Doria
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Doria

So kenne ich meine Hanna…nur nicht kleinkriegen lassen ;P
Bin sooo gespannt, wie es euch nach den vielen tollen Eindrücken zurück in Deutschland geht! 🙂
hoffe ihr bekommt keinen Hüttenkoller!