Auf Wiedersehen, Asien – Willkommen in Amerika!

Auf der Rückfahrt vom Everest Base Camp nach Shigatse wurden die beiden 5000m-Pässe lediglich schnell durchfahren, ohne noch einmal zu halten. Das war auch gut so, denn schon beim ersten Pass hatte ich meine Übelkeit nicht mehr im Griff (zum Glück waren in weiser Voraussicht Plastiktüten in meiner Nähe angebracht worden). Mir ging es hundeelend, und ich wollte nur noch nach unten. 2000 Meter weiter unten und ein paar Stunden später war es aber schon deutlich besser, so dass auch ich wieder die schöne Umgebung genießen konnte. Generell war die Stimmung im Bus aber weitaus ruhiger als auf der Hinfahrt, da jeder auf seine Weise mit den Nachwirkungen der Höhe zu kämpfen hatte. In Shigatse angekommen, besichtigten wir noch das berühmte Kloster Tashi Lhunpo, Sitz des Penchen Lama, einer der wichtigsten Autoritäten des tibetischen Buddhismus.

Am nächsten Tag stand außer Rückreise nach Lhasa kein Programm mehr an, so dass wir am letzten Abend in Lhasa noch einmal durch die Altstadt bummelten, die Atmosphäre der Stadt genossen und Vorräte für die bevorstehende zweitägige Zugfahrt nach Peking einkauften. Einiges davon wurde uns bei der strengen Gepäckkontrolle am Bahnhof direkt wieder abgenommen (alle Sprühflaschen wie z.B. Deo oder Sauerstoff), aber lebensmitteltechnisch hatten wir uns schon perfekt an chinesische Gepflogenheiten angepasst, und jede Menge ungesunden Kram wie Fertigsuppen und Instantnudeln eingepackt. Heißes Wasser gibt es nämlich im Zug wie sonst auch fast überall umsonst, so dass die günstigsten und bei weitem beliebtesten Mahlzeiten diejenigen sind, die man nur noch mit Wasser aufgießen muss. Diese Instantnahrung gibt es in tausenden verschiedenen Sorten, aber eine vegetarische Variante zu finden, ist eine echte Herausforderung. Wir dachten ja schon, unsere Ernährung im Zug sei ungesund, es war aber nichts im Vergleich dazu, was sich unsere chinesischen Mitreisenden in Unmengen reinpfiffen. Krachsüße Kekse, undefinierbares Etwas aus Dosen, getrocknete Fleischbrocken und natürlich Instantsuppen ohne Ende, heruntergespült mit süßer Limo aus Dosen. Den Abschuss brachte das junge Paar, mit dem wir uns das Abteil teilten, indem sie eine ganze, eingeschweißte Schweinshaxe auf den Tisch packte und sie dort die nächsten Stunden halb angegessen herumliegen ließ. Wir hielten uns ab da lieber im Gang auf, und feierten abends die endlich weggeschmissenen Knochen mit Bier, das ich bei einem Zwischenstopp im Schlafanzug am Bahnhof kaufte.

Peking empfing uns mit der so gar nicht vermissten Hitze und einem üblen Smog, so dass wir den ganzen Tag bis zum Abflug in einer Einkaufsmall und am Flughafen verbrachten. Hier ließen wir auch noch einmal die letzten drei Monate in Asien Revue passieren. Im Vergleich zu Australien war es eine sehr anstrengende Zeit voller Herausforderungen, die wir trotz aller Strapazen auf keinen Fall missen wollten. Es war einerseits sehr spannend und wertvoll, diese extrem andersartigen Länder und deren Kulturen und Menschen kennenzulernen. Andererseits lernte man auch eine Menge über sich selbst, seine Grenzen, aber auch seine versteckten Kräfte, die erst in Extremsituationen zum Vorschein kommen (z.B. erst abgezockt, dann ausgesetzt, mit vollem Gepäck, in fremder Gegend, in sengender Hitze, ohne Plan, wohin.. siehe Beitrag über Xi´an). Wir waren jedenfalls froh über diese Zeit und die Erfahrungen, die wir sammelten. Jedoch freuten wir uns auch wie Bolle auf Alaska! Kühle Temperaturen, Einsamkeit, viel unberührte Natur, eine uns bekannte Sprache und westliches Essen, auf all dies hatten wir mehr als Lust! Uns standen zwei Nachtflüge bevor, mit Zwischenstopp auf Hawaii. Bei der Passkontrolle gab es hier erst einmal einen kurzen Schockmoment, als die amerikanischen Grenzbeamten unser ESTA (Electronic System for Travel Authorization) nicht akzeptieren wollten, da wir keinen nachweisbaren Ausflug aus den USA hatten. Es gab lange Diskussionen, und wir mussten unsere gesamten Reisepläne erläutern, bis sie uns glücklicherweise doch einen 90-tägigen Aufenthalt genehmigten. Damit waren wir erst einmal mehr als zufrieden! Danach genossen wir die angenehmen hawaiianischen Temperaturen bei einem riesigen Kaffee von Starbucks – ein Traum! Der zweite Übernachtflug verging schnell, und auf einmal waren wir in Alaska!

Schon der Flughafen von Anchorage begeisterte uns mit seiner Ruhe und Aufgeräumtheit, und wir frühstückten erst einmal in der menschenarmen und ruhigen Ankunftshalle. Es war spannend, den sehr anderen Schlag von Menschen im Vergleich zu den Asiaten zu beobachten, die an einem vorbeigingen. Große und oft dicke Menschen anstelle von kleinen, schmächtigen. Keine quietschbunte Kleidung mit Tieren oder Cartoonfiguren mehr, stattdessen sportliche Outdoorkleidung mit Gummistiefeln. Und auf einmal wird man nicht mehr angestarrt, höchstens freundlich gegrüßt. Willkommen in einer anderen Welt! 

Wir holten unseren Mietwagen ab, den wir für fünf Tage reserviert hatten. Länger wollten wir auf keinen Fall brauchen, um ein Auto mitsamt Camperaufsatz zu kaufen. Denn das war der Plan – wie in Australien wieder ein mobiles Zuhause zu haben. Erstens hatte uns das Campen dort viel Spaß gemacht, und zweitens war es eine unschlagbar günstige Art und Weise, zu leben. Es war erschreckend, wie viel Geld wir in Asien gebraucht haben, auch wenn die Einzelpreise von Unterkünften, Essen und Fortbewegung nicht hoch waren. Dennoch summierten sie sich zu einem monatlichen Betrag, den wir uns für den Rest der Reise nicht dauerhaft leisten konnten und wollten. Zudem die Preise in den USA und Kanada im Vergleich zu Asien natürlich deutlich höher sind. Also: Ein günstiges, geländegängiges Auto musste her, und der passende Aufsatz! Schon in China hatten wir uns viel mit den verschiedenen Möglichkeiten beschäftigt, und uns für das Modell Cab-over-Camper entschieden, einer Wohnkabine, die auf einem Pick-Up Truck befestigt wird. Bevor dies jedoch Realität werden sollte, mussten wir erst einmal mit dem Ford Fiesta der Autovermietung vorlieb nehmen, mit welchem wir uns zwischen den ganzen röhrenden Monster-Trucks auf Alaskas Straßen wie eine Ameise vorkamen. Dennoch der absolute Luxus für uns, wieder mobil zu sein! Schon auf dem Weg zu unserer Airbnb-Unterkunft erschlug uns das wunderschöne Panorama der schneebedeckten Berge rund um Anchorage, und als wir am Haus ankamen, plätscherte dort ein klares Bächlein vor der Tür, umgeben von gepflegten Grünanlagen, und ein junger Hund kam uns entgegengesprungen. Es war unfassbar idyllisch, und als wir unser Zimmer mit Blick ins Grüne, weichem Bett und sauberem Bad entgegennahmen, wollten wir gar nicht mehr weg. Da merkten wir es noch einmal besonders, welch ein Luxus vorher normal geglaubte Umstände eigentlich sind! Wir kauften ein, und kochten zum ersten Mal seit langem wieder ein gesundes Essen mit vielen frischen Zutaten. Dazu ein Glas Rotwein, und unser Glück war vollkommen. Es braucht nicht viel!

Die nächsten Tage waren trotz der schönen Unterkunft alles andere als erholsam. Es reihte sich Termin an Termin, um Pick-Ups und Camperaufsätze zu besichtigen, und wir waren von früh bis abends unterwegs, oft ohne Pausen. Wir verbrachten viel Zeit im Auto, da das Angebot in Anchorage begrenzt war und viele Besichtigungen weit außerhalb der Stadt lagen. Als wir nach vier Tagen immer noch keine uns überzeugende Kombination gefunden hatten, wurde der Frust langsam größer. Wir verlängerten den Mietwagen und setzten uns eine Frist, zu der wir uns entschieden haben mussten. Jeder Tag Mietwagen und Unterkunft kostete uns eine Stange Geld! Zwei Tage und etliche Besichtigungen später zogen wir den Schlussstrich und entschieden uns für einen Chevrolet Silverado 2500 Heavy Duty und einen Camper von Northstar. Beide alt, aber sehr gepflegt, für einen guten Preis und von sehr netten älteren Herren. Innerhalb von einem weiteren Tag waren die Formalitäten erledigt und der Camper aufgeschnallt. Hierbei hatten wir fachmännische und unglaublich unterhaltsame Unterstützung von dem Camper-Verkäufer selbst und seinem neugierigen Nachbarn, beides Camping-Urgesteine mit riesigen Wohnwägen vor der Tür. Und tada – auf einmal hatten wir wieder ein Zuhause! Wir konnten es nicht fassen, wurden nach dem ersten Freudentaumel aber schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, als wir die Rechnungen der Versicherungen, Anmeldungen und Campingausrüstung bezahlen mussten. Dazu kamen noch einen neue Batterie für den Wagen und den Aufsatz selbst, sowie Werkzeug und Ausbesserungsmaterialien für den Camper… aber so ist es nun mal, wenn man ältere Sachen kauft. Und jetzt genug gejammert – unser Abenteuer Alaska kann endlich starten!

Tashi Lhunpo Monastery
Alaska wir kommen!
Hier kann man nur dick werden…
Unser neuer alter Chevy – nur echt mit Bärenkennzeichen!
Das Mobile Home ist startklar!

 

 

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