Der Dalton Highway

Ab jetzt hieß es, wie so oft: Der Weg ist das Ziel! Nach Fairbanks fuhren wir auf den berühmten Dalton Highway. Gebaut in 1974, führt die insgesamt 666 km lange Straße fast kontinuierlich entlang der Trans-Alaska-Pipeline in Richtung Nordpolarmeer. Sie ist größtenteils ungeteert, weist nur sehr vereinzelte Tankstellen auf und schlängelt sich durch absolute Einöde und Wildnis, in der man natürlich nirgendwo Netzempfang hat. Unser erstes Ziel war ein Campingplatz in Coldfoot, einer „Ortschaft“ nur 250 Meilen nördlich von Fairbanks. Schnell merkten wir, dass wir für die Fahrt wohl länger brauchen würden, als gedacht, denn die Straße entpuppte sich als tückisches Minenfeld voller heimtückischer Bodenwellen und brutaler Schlaglöcher. Dazu regnete es, und die Fahrt auf der Schotterstraße wurde zur Schlammschlacht. Die vorbeidonnernden LKW schleuderten uns Dreckfontänen und Steine auf unser Gefährt, so dass wir nur sehr langsam vorankamen und unseren Camper im Rückspiegel nur noch als braunes Etwas identifizieren konnten. Nach der halben Strecke fanden wir einen Stellplatz für die Nacht und kamen so erst am nächsten Abend in Coldfoot an. Das Highlight auf der Fahrt dahin war das Überqueren des nördlichen Polarkreises! Ein Parkplatz mit einigen Informationstafeln wies darauf hin, dass es ab hier im Sommer nicht mehr dunkel und im Winter nicht mehr hell wird, und dass wir ab nun offiziell in der Arktis unterwegs waren.

Am nördlichen Polarkreis

In Coldfoot angekommen, wurde schnell klar: Erstens, der Name ist Programm. Es war kalt, sehr kalt. Zweitens, Coldfoot ist keine Ortschaft, sondern nur eine reine Servicestation, das heißt eine rudimentäre Tankstation mit angrenzender Lodge für die LKW Fahrer. Generell gibt es entlang des Dalton Highway keinen einzigen Wohnort.. Wir fuhren auf einen nahegelegenen Campingplatz, der wunderschön angelegt gefühlt mitten in der Wildnis war. Immerhin gab es dort einen Campinghost, der uns mitteilte, dass diese Nacht eventuell mit Nordlichtern zu rechnen sei. So stellten wir uns den Wecker auf zwei Uhr morgens, und steckten verschlafen, verfroren und völlig unmotiviert die Köpfe auf dem Fenster, nur um schnell weiterschlafen zu können. Doch was da draußen zu sehen war, ließ selbst ein Murmeltier wach werden, das gerade noch im Halbschlaf von Füchsen fantasiert hatte (ja, sein Name ist Chris)! Schnell schlüpften wir in alle Klamotten, die wir finden konnten, bewaffneten uns mit Bärenspray und Kamera und sprangen in die wunderschöne Vollmondnacht, in deren Himmel die  bunten Nordlichter nur so tanzten. Es war unglaublich faszinierend, wie schnell sie ihre Formen und Farben änderten, und wie geisterhaft und magisch sie wirkten. Ich kam in einen Fotografierwahn, und das Ergebnis wollen wir euch natürlich nicht vorenthalten, siehe Galerie. Als wir schließlich durchgefroren wieder im Camper saßen und die Heizung anschmissen, waren wir uns einig – diese Nacht war definitiv ein absolutes Highlight unserer Reise!

Nordlicht über unserem Camper
Tolle Kontraste!

Am nächsten Tag ging es weiter nordwärts Richtung Galbraith Lake, einem Gletschersee, an welchem der letzte offizielle Campingplatz auf der Route Richtung Norden gelegen ist. Die Fahrt führte durch malerische, wilde Landschaften entlang vergletscherter Berge, Felslandschaften, reißender Flüsse und weiter Nadelwälder, und immer wieder hielten wir aufgrund der spektakulären Aussicht. Bald erreichten wir den Atigun Gebirgspass, den höchsten Pass Alaskas, hinter welchem die arktische Tundra begann. Unser kraftvolles Zugpferd mit immerhin 300 PS trug den Camper mit einem verächtlichen Schnurren die schmalen und steilen Schotterstraßen durch die Berge hinauf und wieder hinunter und auf einmal waren wir in einer anderen Welt. Kein einziger Baum stand mehr herum, nur noch flache Busch- und Graslandschaften, so weit das Auge reicht. Wir hatten gigantisches Wetter, und genossen die Fahrt durch diese unwirkliche Welt. Der Campingplatz selbst war dann auch sicherlich einer der schönsten unserer Reise. Nach hinten Blick auf das Gebirge, nach vorne Blick in die Tundra, einsam und alleine mitten in der Wildnis. Wir wanderten noch ein paar Stunden querfeldein, und genossen die Ruhe und Abgeschiedenheit.

Atigun Gebirgspass
Galbraith Lake

Nach einer sehr kalten Nacht um den Gefrierpunkt machten wir uns wieder auf den Rückweg, und kämpften uns zurück in Richtung Fairbanks in die Zivilisation. Zwei Tage benötigten wir dafür, und wir waren froh, als wir ohne Schlagloch- oder sonstige Schäden wieder auf geteerter Straße ankamen. Der Dalton Highway war definitiv ein besonderes Erlebnis!

Auf dem Weg zurück in die Zivilisation

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Janna & ChrisDoriaKerstin Letzte Kommentartoren
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Kerstin
Gast
Kerstin

Wow! Das hört sich wunderwunderschön an!

Doria
Gast
Doria

Übrigens:
In Alaska ist es untersagt, Elche aus einem Flugzeug zu schubsen oder sie betrunken zu machen. Außerdem sollten Touristen wissen: Es ist illegal, von einem Flugzeug aus auf einen Elch herabzuschauen.

also nehmt euch in acht! 😉