Ab nach Seward!

Nach dem Dalton Highway waren unser Auto, der Camper sowie unsere Kleider ein einziger Schlammklumpen. Also gab es in Fairbanks zunächst ein ausgedehntes Pflegeprogramm bei noch schönstem Wetter. Nach getaner Arbeit belohnten wir uns mit einem Besuch in der Large Animal Research Station. Hier wird, ausgehend von der University of Fairbanks, das Verhalten von Muskoxen und Rentieren untersucht. Die Muskoxen, eine träge wirkende arktische Büffelart, sind echte Überlebenskünstler. Zwei Fellschichten isolieren diese Giganten so sehr, dass sich bei Wärmebildaufnahmen nur die Nasenlöcher von der Umgebungstemperatur abheben und ein Überleben bei Temperaturen um die -50 Grad Celsius möglich ist. Selbst im kalten Fairbanks ist es den Tieren deutlich zu warm, also gibt es tägliche Fußbäder im Eiswasser, und die Kleinen kicken fröhlich Jogabälle durch die Gegend. Büffel müsste man sein. 

Wilde Rangelei um Feuergrass

Da das Wetter radikal von Sonnenschein auf Dauerregen und Eiseskälte umschwankte, ergriffen wir zunächst die Flucht zu den Chena Hotsprings. Der frühere Zufluchtsort für ausgekühlte Goldminenarbeiter ist heute eine beliebte Touristenattraktion. Der von den heissen Quellen gespeiste künstlich angelegte See war bereits bei Regen ein Highlight, kaum auszumalen wie es bei Schneefall ist. Gut aufgewärmt und mit der Wettervorhersage vor Augen, beschlossen wir am nächsten Tag in den deutlich wärmeren Süden zu fahren. Ab nach Seward!

Auf dem Weg nach Seward legten wir einen Zwischenstopp in Eagle River ein, einer kleinen Gemeinde vor Anchorage, und arbeiteten zwei Tage wie die Wilden an unserem Camper. Es wurden die Jacks geschmirgelt und neu lackiert, Holz versiegelt und gespachtelt sowie alles abgedichtet, wo nur ansatzweise Wasser eindringen konnte. Stolz auf unser Werk ging es am letzten Abend ins Bett und Janna stach ein stechender Geruch in die Nase. Urin!? Urin! Jede Menge Urin! Das flüssige Gold bahnte sich bereits fröhlich seinen Weg vom Bad in den Wohnbereich und überschwemmte den Camper. Also wurde um ein Uhr Nachts das halbe Bad auseinander genommen und bis tief in die Nacht alles trocken gelegt und das Leck zumindest provisorisch geflickt. Schön wars! 

Mit gestoppter Inkontinenz ging es nach Seward und der Weg dorthin war unfassbar schön. Entlang einer Küstenstraße mit zahlreichen Wal-Aussichtspunkten und Gletscherpanoramen, ging es in Richtung Kenai Peninsula. Dieser gigantische Nationalpark ist von Fjorden zerklüftet, und einige der Gletscher, die diese einst formten, existieren noch heute. In Seward, einem kleinen charmanten Hafenort, gönnten wir uns eine Bootstour durch die Fjorde. Wir wollten endlich Wale sehen!

Die Bedingungen hätten nicht besser sein können. Das Boot war saisonbedingt fast leer, die Sonne schien und die Natur präsentierte sich in ihrer vollen Pracht. Gigantische Gletscher reihten sich an spektakuläre Steilküsten. Von den Felsen wurden wir neugierig von Seelöwen, Seeadlern und vom Meer von lässig auf dem Rücken treibenden Ottern beobachtet. Janna fotografierte sich in einen Rausch, unsere Walbegegnung blieb jedoch leider aus. Die Zeit am Meer ist jedoch noch lange nicht vorbei…

Eine der vielen Buchten in der Resurrection Bay

Ohne Worte
Ausläufer des Harding Ice Field
Aus dem Meer gefischtes Gletschereis
Rückenlage, Beine hoch… die Otter kommen!

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Doria
Gast
Doria

Das sieht so toll aus! …vorallem, wenn man sich fragt, wann der Sommer hier endlich zuende ist….will auch frieren, weiß schon gar nicht mehr wie sich das anfühlt 😉
Wie weit ist denn der Vegetarismus in den kalten Gegenden schon verbreitet? Ich hoffe Hanna ist nicht gezwungen Rentiere zu verspeisen 🙂
Aber vielleicht gibts für Chris ja Rentiermagen (statt Saumagen) 😛

mista_birdy
Gast
mista_birdy

Einfach wunderschön. Natur pur. Whisky mit echtem Gletschereis hätte doch auch mal was?!?
Apropos Inkontinenz. In der Nähe von uns lebt und wohnt eine inkontinente Fledermaus. Die hat’s nicht leicht…

Ihr/Euer
mista_birdy