Homer und Umgebung – ein Naturspektakel!

Nach Seward hieß unser nächstes Ziel Homer. Die kleine Hafenstadt ist bekannt für seine riesigen Heilbutte, nach denen dort überall wie wild gefischt wird, daher nennt sie sich auch stolz „Welthauptstadt der Heilbutte“. Wir interessierten uns aber mehr für die wunderschöne Landschaft, das Meer, die Gletscher und Vulkane, die man schon auf dem Weg dorthin sehen konnte.

Ausblick auf dem Weg Richtung Homer

Wir suchten uns einen Campingplatz mit etwas Abstand zu Homer aus, mit weitem Blick aufs Meer. Als uns dort beim Einchecken die Campground-Hosts noch erzählten, sie seien so spät gekommen, da sie gerade Wale beobachtet hatten, gab es für uns kein Halten mehr. Wir machten uns sofort auf an den nahegelegenen Strand und setzten uns mit Fernglas und Fotoapparat bewaffnet in die Sonne. Ein paar Otter und Seelöwen später erblickten wir endlich die typischen riesigen Atemfontänen weit draußen im Meer. Aufgeregt starrten wir stundenlang durch das Fernglas und bekamen immer wieder einen Rücken oder eine Flosse zu Gesicht. Für uns beide etwas ganz Besonderes!

Warten auf die Wale

Als wir schließlich ausgekühlt und –gehungert zum Auto zurückkamen, wollten wir erst einmal ein Feuerchen machen. Hierbei bekamen wir sofort fachkundige Hilfe von unserem Camping-Nachbarn, dem wir ein paar Stunden vorher den besten Platz für seinen überdimensionierten Bus mit Anhänger weggeschnappt hatten. Offensichtlich nahm er uns das nicht übel, jedenfalls überhäufte er uns mit gutgemeinten Tipps zum Feuermachen, schleppte Brennholz ohne Ende an, und gesellte sich letztendlich mit seiner Frau dauerhaft zu uns ans Feuer. Es war ein lustiger aber auch lehrreicher Abend für uns, denn die Beiden verkörperten das typische Bild der amerikanisch-großspurigen Art. Penibel und ohne Berührungsängste wurden Details aus unserem Werdegang erfragt, um sie dann gleich darauf mit dem Eigenen zu toppen. Eine für uns sehr gewöhnungsbedürftige Gesprächsführung! Gleichzeitig waren sie sehr hilfsbereit und liehen uns sogar für zwei Nächte ihren Elektro-Heizer, um unseren Camper mal ordentlich durchzutrocknen und uns zwei warme Nächte zu bescheren, wofür wir unendlich dankbar waren. Gegen Mitternacht zogen an diesem Abend auch noch recht kräftige Nordlichter auf, die wir fasziniert beobachteten (aber auch hiervon hatten die beiden natürlich schon sehr viel Schönere gesehen). Den nächsten Tag verbrachten wir wieder bei strahlendem Sonnenschein mit geduldigem Beobachten der Meeresbewohner und ausgedehnten Strandspaziergängen, und abends wurden wir mit frischem Heilbutt vom Campingplatz-Host versorgt, den wir über unserem Feuer stilecht auf Zedernholz grillten. Kein schlechter Tag!

Frischer Heilbutt – eine seltene Delikatesse
Lichterspektakel am Nachthimmel

Homer selbst schauten wir uns am darauffolgenden Tag an, schlenderten durch die Bucht mit dem Wahnsinnsausblick auf vergletscherte Berge und Vulkane, setzten uns an den Hafen und ließen die Atmosphäre des Touristenörtchens einfach auf uns wirken. Es war so schön dort, dass wir beinahe noch ein Haus kauften, das dort zum Verkauf stand.. aber letztendlich vertagten wir das.

Kachemak Bay bei Homer

Auf der Rückfahrt nach Anchorage hielten wir am Alaska Wildlife Conservation Center, einer gemeinnützigen Organisation, welche sich dem Schutz und der Pflege von Alaskas Wildtieren verschrieben hat. In großzügigen Gehegen konnten wir hier aufgepäppelte Luxe, Seeadler, Bären, Elche und viele mehr beobachten, und oft unglaublich nah! Besonders die Braunbären schienen die Aufmerksamkeit richtig zu genießen, und lieferten eine extrem entspannte Show im Badesee ab. Auf dem Rücken liegend, alle viere von sich gestreckt, trieben sie im Wasser oder spielten mit den Kameraden, und sahen dabei unglaublich niedlich aus. Man musste aufpassen, dass man anhand dieser Bilder den nötigen Respekt vor diesen Raubtieren nicht vergaß.. Und nicht nur die Tiere waren ein Highlight, die Anlage selbst und die umgebenden Berge und Fjorde zeigten sich im strahlenden Sonnenschein von ihrer schönsten Seite. Wir genossen den Aufenthalt dort mehrere Stunden und konnten es einfach nicht verstehen, wie manche Besucher doch tatsächlich die „Drive-Through“-Möglichkeit nutzten, und mit dem Auto von Zaun zu Zaun fuhren.

Man möchte ihn knuddeln!
Praktisches Geweih als Kopfstütze
Es gibt schlechtere Plätze für eine Pause..

Irgendwann mussten aber auch wir uns lösen und es ging wieder zurück nach Anchorage, wo wir noch einige Erledigungen zu machen hatten, um am nächsten Tag für die Weiterreise Richtung Kanada gerüstet zu sein. Ein wenig wehmütig waren wir ja schon, dass nach fast sechs Wochen unsere Zeit in Alaska zu Ende gehen sollte. Und als wollte uns das Land ebenfalls nicht gehen lassen, zeigte es sich auf der Fahrt auf dem Alaska Highway No. 1 Richtung Grenzstadt Tok noch einmal von seiner schönsten Seite. Wir fuhren durch phantastische Schluchten, passierten reißende Flüsse, entlang an Wäldern, deren Laub der Herbst golden färbte. Mehrmals hielten wir an, um diese unglaubliche Schönheit in uns aufzunehmen und festzuhalten. Am Abend entfachten wir noch ein riesiges Lagerfeuer mit dem gesamten restlichen Brennholz, da Holz eines der Dinge ist, die man nicht mit über die Grenze nehmen darf. Wir waren generell gespannt auf die Grenzkontrollen. Ob man wirklich auf dem Landweg ohne Visum einreisen darf? Ein wenig wehmütig machten wir uns am nächsten Tag von Tok aus Richtung Grenze. Vielleicht wäre uns der Abschied etwas weniger schwer gefallen, hätten wir gewusst, dass wir schon sehr bald wieder in Alaska sein werden..

Auf dem Weg nach Tok. Alaska, wir wollen nicht weg!

4
Hinterlasse einen Kommentar

avatar
2 Kommentar Themen
2 Themen Antworten
0 Follower
 
Kommentar, auf das am meisten reagiert wurde
Beliebtestes Kommentar Thema
3 Kommentatoren
Janna & Chrismista_birdyDoria Letzte Kommentartoren
  Abonnieren  
neueste älteste meiste Bewertungen
Benachrichtige mich bei
Doria
Gast
Doria

Lasst mich raten…Ihr habt das Haus gekauft und kommt nie wieder zurück! ;P

mista_birdy
Gast
mista_birdy

Oh je. Ich tippe auf Salatblattschmuggel in kleinen Tütchen. Immer diese Wiederholungstäter… 😅