Kanada! Oder doch nicht?

Mit leichten Bauchschmerzen ging es in Richtung kanadische Grenze. Was wird uns wohl dieses Mal abgenommen werden? Nichts! Es war der bislang entspannteste Grenzübergang unserer Weltreise. Waffen? Nö. Drogen? Nö. Alkohol? Klar! Gut, fahrt weiter. Da standen wir also in Kanada und feierten es mit einem Grenzkaffe und -kuchen.

In dem Grenzlädchen gab es 30-Minuten WLAN Coupons und da wir bereits in Alaska vergeblich nach einem Solarpanel suchten um energetisch autark zu werden, machten wir es uns dort gemütlich und durchstöberten Amazon Kanada. Es sah gut aus! Also organisierte Janna einen Campground an den wir das Panel schicken lassen konnten, und ich füllte fleißig den Warenkorb. Bestellen… naja, eher doch nicht. 250 Dollar Versandkosten wollten wir eher nicht bezahlen und auch keinen Monat warten. Willkommen im Yukon. 

Leicht entnervt über die verschwendete Zeit, war die letzte Hoffnung eBay. Mit dem fünften WLAN Coupon waren wir tatsächlich erfolgreich. Das Panel geht also an einen Campground ohne Hausnummer in Mitten des Yukon mit einwöchiger Toleranz des Liefertermins. Da waren sie wieder, die Bauchschmerzen. 😉

Wieder auf der Straße, machte Kanada dort weiter wo Alaska aufhörte. Wir fuhren von einem Postkartenmotiv ins Nächste. Unser Ziel war der Kluane National Park, und er begrüßte uns mit zugeschneiten Bergen und eisigen Temperaturen. Im Visitor Center wurden wir auf Haines/ Alaska aufmerksam und nach einem kurzen Temperaturcheck saßen wir im Auto auf dem Weg nach Alaska! Es ist schon etwas schizophren, der Wärme wegen nach Alaska zu fliehen… Die Fahrt von Haines Junction nach Haines war die vielleicht schönste Route unserer Weltreise. Vor lauter Begeisterung haben wir selbst das Fotografieren fast vergessen. 

Pause auf dem Weg nach Haines

Haines ist ein verschlafenes Örtchen am Meer, welches gelegentlich von Fähren und kleinen Kreuzfahrtschiffen angefahren wird. Einen Stellplatz fanden wir schnell, natürlich direkt am Meer. Von einem netten Paar, mit dem wir unsere Abende am Lagerfeuer verbrachten, erfuhren wir von einem Fluss an dem häufig Bären gesichtet werden. Dort angekommen sahen wir zunächst jede Menge Weißkopfadler, die majestätisch das Treiben im Wasser beobachteten. Und dann kamen sie! Eine Bärenmutter mit ihren drei Braunbärjungen tapste aus dem Dickicht ins Flussbett und stand plötzlich 20 Meter von uns entfernt. Menschen? Egal! Es wurden Lachse gefangen, schließlich steht der Winter bevor. Es war faszinierend zu sehen wie schnell diese massigen Tiere sind, und wie selbstlos das Muttertier Lachs über Lachs fing und es den Kleinen auf dem Silbertablett servierte. Und die Jungen? So ganz genau wussten sie nicht was sie mit den Fischen anfangen sollten und spielten lieber damit. Die Adler und Möwen hatte es gefreut.

Die Bärenjungs beim planschen…
…und spielen

 

 

 

 

Neben den Bären überraschte uns der kleine Chilkat State Park. Über eine halsbrecherische Straße gelangten wir in eine wunderschöne Bucht mit tollem Blick auf das Meer und auf einige Gletscher. Es war dort so totenstill dass wir die Atemgeräusche der in der Bucht jagenden Delfine hören konnten. Und waren sie gerade nicht da, dann planschten Seelöwen im Wasser oder Otter trieben lässig an der Oberfläche herum. Wir wollten am Liebsten nicht mehr weg. 

Chilkat State Park
Chilkat State Park

Zurück in Kanada, ging es in den Kluane National Park. Uns wurde eine Wanderung empfohlen und so ging es hinauf auf den King‘s Throne. Die als moderat eingestufte Wanderung hatte es mehr als in sich. Es ging 5 Kilometer und knapp 1000 Höhenmeter erbarmungslos hinauf. Auf halber Strecke wurde aus gefrorenem Waldboden unbefestigtes Geröll und die Zweifel wuchsen wie wir jemals wieder nach unten kommen sollten. Den Thron ließen wir uns jedoch trotzdem nicht entgehen und wurden mit einem fantastischen Ausblick auf den Kathleen Lake belohnt. Herunter haben wir es dann auch tatsächlich, mit längerer Pause bei einem Arctic Ground Squirrel, geschafft. Auch wenn man es nicht tun sollte… aber wir mussten dieses kleine dicke flauschige Ding mit Mandeln füttern. Eine wurde gefuttert und der Rest in die immer größer werdenden Backen gestopft. 

Arctic Ground Squirrel mit dicken Backen
Der Blick entlohnt für die Strapazen der Kletterei

 

 

 

 

Den Abschluss im Kluane National Park fanden wir in einem Nachtfotografiekurs. Klingt langweilig, war jedoch sehr gut… aber Polarlichter hatten wir leider seitdem nicht mehr. Die Saison fängt jedoch gerade erst an. 

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