Vancouver Island

Die Überfahrt nach Vancouver Island war spektakulär: Wir saßen gerade entspannt in der Fähre und ließen die Blicke aufs offene Meer schweifen, da kam die Durchsage des Kapitäns, dass Wale gesichtet wurden. Wir sprangen auf und rannten an Deck, und tatsächlich bekamen wir eine spektakuläre Show eines Buckelwals zu sehen! Immer wieder sprang er in der Nähe des Schiffes aus dem  Wasser, blas Fontänen in die Luft und „winkte“ mit den Flossen. An Bord gab es große Ah´s und Oh´s, und selbst der Kapitän sagte durch, dass dies die beste Show seit langem sei. Wir freuten uns über unser Glück!

Mit der Leichtigkeit einer Feder…
…und der Eleganz einer Elfe

 

 

 

 

 

In der Hafenstadt Nanaimo angekommen, fuhren wir sofort weiter in Richtung Westküste der Insel, wo unser erstes Ziel lag, der Pacific Rim National Park. Auf halber Strecke blieben wir auf einem schönen Campingplatz, der genau nach unserem Geschmack sehr natürlich angelegt war und sich inmitten schönster Natur an einem Fluss befand. So naturnah, dass wir direkt einen Schwarzbär sichteten, der sich auf der anderen Flussseite nach Fischen umsah! Wir ließen uns trotzdem nicht davon abhalten, eine kleine Wanderung zu unternehmen, und wurden belohnt. Nicht weit vom Campingplatz befand sich ein reißender Wasserfall, an welchem eine Wanderhilfe für die Lachse gebaut wurde, um ihnen auf dem Weg zu ihrem Laichplatz zu helfen. In den Kanälen der sogenannten „Fischleiter“ waren Kameras angebracht, und wir konnten die Lachse in Echtzeit auf einem Bildschirm beobachten, wie sie sich ihren Weg nach oben erkämpften. Respekt dafür, was die Tiere auf sich nehmen, nur um zu ihrem Geburtsort zurückzukehren und dort zu laichen! Bärenbegegnungen gab es keine mehr, so dass wir am nächsten Tag unbehelligt im Pacific Rim National Park ankamen.

Wo gibt´s hier Fische?
Hier an der Fischleiter ganz sicher!

 

 

 

 

 

So touristisch und schön diese Gegend ist, so schwierig war es hier, einen geeigneten Stellplatz zu finden. Die meisten Campingplätze waren bereits geschlossen, und wir fuhren einen nach dem anderen ab, ohne Erfolg. Schließlich entschieden wir uns dafür, entgegen unserer Vorlieben auf einen „RV-Park“ in der Stadt Ucluelet zu fahren, der zwar keine schönen Stellplätze inmitten der Natur bot, dafür einen Hafenplatz mit vielen Seelöwen vor der Haustür! Regelmäßig hörte man deren Prusten, wenn sie ihre Köpfe aus dem Wasser streckten, und morgens wurden wir von ihren lauten Rufen geweckt. Wildtier-technisch hatte Vancouver Island bisher richtig viel zu bieten! Doch auch die Wanderwege sollten toll sein, und so machten wir uns auf, den Wild Pacific Trail zu erkunden. Bei schönstem Wetter genossen wir es, die raue Küste entlang zu wandern, und übten uns zwischendurch fleißig darin, die herrlichen Aussichten mit unseren Kameras einzufangen. Auf halbem Weg legten wir eine Pause ein und konnten unser mitgebrachtes Essen im Sonnenschein beim Wale beobachten genießen. Was für ein Privileg!

Ausblick vom Wild Pacific Trail
Lädt zur Pause ein!

Den Tag darauf legten wir noch eine kleine Wanderung auf dem sogenannten Nuu-Chah-Nuulth-Trail  zu einem kleinen, abgelegenem Strand ein. Nur ein alter, teilweise verrotterter Holzsteg führte durch den dichten Regenwald, und hier und da kamen Hinweisschilder darauf, dass hier auch Bären und Pumas zuhause sind. Wir begegneten zum Glück keinen davon, so dass wir wohlbehalten an dieser hübschen, einsamen Bucht ankamen. Hier kletterten wir über Steine, beobachteten kleine Krebse in den Meerwasserpfützen und ließen den schönen Ort einfach auf uns wirken, bevor es im Eilschritt und mit wachsamen Sinnen wieder zum Auto ging.

Einsame Bucht

Vancouver Island ist auch bekannt für seine sogenannten Mammutbäume, die Douglasien. Diese Kolosse können bis zu 1000 Jahre alt werden und über 70 Meter hoch! Auf unserem Rückweg Richtung Nanaimo über den Pacific Rim Highway machten wir daher Stopp an einem Waldabschnitt, an welchem man die uralten Riesen besonders bestaunen konnte. Ein kleiner Weg führte durch sonst ursprünglich belassenen Wald voller Farne und Riesenbäume, der auf uns den Eindruck eines richtigen Märchenwaldes machte. Die Nacht verbrachten wir diesmal mit Wildcampen an einem reißenden Fluss, standesgemäß mit Lagerfeuer. Die Nacht war hier so dunkel und klar, dass wir uns ein bisschen in Nachtfotografie übten. Urteilt selbst 🙂

Sternenhimmel über Vancouver Island

Wieder an der Ostküste angekommen, stießen wir auf unserer Route Richtung Campbell River eher zufällig auf einen traumhaft gelegenen Campingplatz direkt am Meer. Der Sonnenuntergang, der uns hier erwartete, gehörte definitiv zu den Highlights auf Vancouver Island! Wir beschlossen, zwei Nächte zu bleiben und nutzen den darauffolgenden Tag für kleine Reparaturarbeiten an Auto und Camper, Sammeln von Feuerholz und dem dringend nötigen Sortieren unserer Fotos… Abends entfachten wir ein riesiges Feuer, und als wir gerade gemütlich beim Abendessen saßen, fuhren zwei weitere Camper mit ihrem Fahrrad auf den Platz und stellten ihre Zelte in unserer Nähe auf. Einer von ihnen kam uns merkwürdig bekannt vor, und nach heimlicher Recherche auf Instagram stand fest: neben uns, hier irgendwo auf einem abgelegenen Platz auf Vancouver Island, campte tatsächlich der junge Mann, den wir in Alaska auf dem Dalton Highway kennengelernt hatten! Damals hielten wir spontan auf der sonst einsamen Straße an, da wir einen Bären in der Ferne gesehen hatten, und riefen einem vorbeifahrenden Radfahrer überschwänglich unsere Entdeckung zu. Er hielt an, und wir kamen ins Gespräch und tauschten Kontaktdaten. Die Wiedersehensfreude war groß, und wir tauschten Reisegeschichten bei Bier und Schokokeksen am Feuer aus.

Am Tag darauf machten wir einen Abstecher zu den „Little Qualicum Falls“, einem Wasserfall des gleichnamigen Flusses, um welchen herum hübsche Wanderwege angelegt waren. Wir übten uns weiterhin in Fotografie…

Little Qualicum Falls
Fotomodell Chris

 

 

 

 

 

Unser nächstes Ziel war eigentlich Victoria, die Hauptstadt von British Columbia, am Südzipfel der Insel. Da wir aber spontan mehr Lust auf Natur als Stadt hatten, änderten wir die Route und fuhren noch einmal quer über die Insel in Richtung Jordan River. Übernachten wollten wir auf halbem Weg am Cowichan Lake, was sich im Nachhinein als keine gute Idee herausstellte. Der erste Campingplatz war viel zu teuer, die darauffolgenden alle geschlossen. Nach einem nervtötendem Herumgekurve fanden wir schließlich spät abends einen noch geöffneten Platz, an welchem zum Abreagieren natürlich erst einmal ein Feuer im Dunkeln gemacht werden musste. Die unheimlichen Geräusche im Gebüsch wurden dabei tapfer ignoriert und die aufkommenden mulmigen Gefühle mit Bier weggeschwemmt. Als wir begannen, Gemüse zu grillen, wurde das Rascheln immer lauter und auf einmal schauten uns zwei leuchtende Augen im Schein des Feuers an: Die Waschbären waren los! Spätestens ab da waren alle schlechten Gefühle vergessen, und die süßen dicken Bären bekamen ab und zu eine Nuss hingeschmissen. Ende gut, alles gut!

Am nächsten Tag hatten wir deutlich mehr Glück mit der Campingplatzsuche. Wir hatten uns einen wohl sehr beliebten Platz direkt an der Küste ausgesucht, jedenfalls erwischten wir gerade so noch den letzten freien Stellplatz. Es war klar, wieso es hier so beliebt war: man stand direkt am Meer, konnte Otter aber auch Surfer beobachten, die durch die Wellen fetzten. Wir wanderten am Strand entlang und bekamen abends einen extrem farbenfrohen Sonnenuntergang geboten. Und das laute Meeresrauschen beim Aufwachen war einfach nur toll. Definitiv einer unserer besten Stellplätze bisher!

Schon fast kitschig!

Der nächste Tag war der letzte auf Vancouver Island, und wir wollten der Stadt Victoria doch noch einen kleinen Besuch abstatten. Also kämpften wir uns mit dem großen Truck durch die engen Straßen der Großstadt, bis wir am Hafen ankamen, wo es deutlich entspannter zuging. Wir erkundeten die angrenzenden Stadtviertel zu Fuß und entschieden uns dann dazu, doch wieder in die Natur zu fahren, natürlich nicht ohne vorher den Wagen mit Treibholz für das abendliche Lagerfeuer vollzuladen. Wir sind eben richtige Naturburschen geworden! Als es am nächsten Tag zurück nach Vancouver ging, war alles restlos verbrannt und wir waren bereit für den Grenzübertritt in die USA. Ein bisschen mulmig war uns schon zumute, da wir für unsere Weiterreise dringend eine Verlängerung unserer Aufenthaltsgenehmigung benötigten. Und da wir kein „richtiges“ Visum hatten, sondern nur eine sogenannte „ESTA“-Genehmigung, sollte das an der Grenze kein Kinderspiel werden.. Aber mehr dazu im nächsten Beitrag!

Ausnahmsweise mal ein Selfie – am Hafen von Victoria

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