Über ungemütliche Grenzbeamte und schlechten Schlaf

Den anstehenden Grenzübergang in die USA traten wir mit einem leicht mulmigen Gefühl an. Durch unsere kurzfristige Planänderung, anstatt Russland die USA und Kanada zu bereisen, reichte die Zeit nur für ein einfaches ESTA „Visum“. Dieses ist zwar zwei Jahre gültig, wird aber nur für eine Dauer von 90 Tagen ab Einreise ausgestellt. Somit war also unser Abenteuer USA auf den 30.10. begrenzt, bleiben wollten wir aber bis kurz vor Weihnachten. Um dies auch glaubwürdig darlegen zu können, hatten wir sogar schon unsere Heimflüge gebucht.

Stundenlanges Recherchieren im Web, Telefonate mit der Botschaft und Gespräche mit vorhergehenden Grenzbeamten schafften ein wenig einheitliches Bild. Von „eine Verlängerung sollte kein Problem sein“ bis hin zu „vergisst es, unmöglich!“ war alles dabei. Eines war klar: es wird nicht einfach. 

An der Grenze angekommen, hieß es zunächst Schlange zu stehen. Müde dreinblickende Grenzbeamte befragten die Wartenden, und über allem wachte ein überdimensionales Bild von Donald Trump. Einer der Grenzbeamten hatte es uns besonders angetan. Er stach in dem dunklen und warmen Büro durch das Tragen einer Wollmütze sowie einer 80er Jahre Sonnenbrille, unter der er schwer apathisch seine Opfer anstarrte, hervor. Hauptsache nicht zu ihm! Es kam natürlich wie es kommen musste…

Über eine Stunde wurden wir mit teilweise grenzwertigen Fragen gelöchert, es wurde versucht, Widersprüche in unseren Aussagen zu finden, und jeder Versuch etwas Stimmung aufzubauen wurde im Keim erstickt. Das Einzige, was der gute Herr (wahrscheinlich) nicht von uns weiß, ist die Farbe der an diesem Tag von uns getragenen Unterwäsche. Als wir dachten, es überstanden zu haben, wurde eine zweite Person hinzugezogen und in unserer Abwesenheit der Camper auf Lebensmittel und Waffen durchsucht. Zwei Zitronen mussten dran glauben, und dann war es tatsächlich soweit… Trommelwirbel… wir haben erneut 90 Tage Aufenthalt genehmigt bekommen! Das Abenteuer USA konnte also weitergehen! Verabschiedet wurden wir mit dem Kommentar, dass wir unseren Camper nochmals checken sollen, es sei nicht alles vollständig verschlossen worden. Dies bedeutete soviel, dass die Tür des Campers sowie unsere Autotüren sperrangelweit offen standen und sich jeder hätte an unseren Wertsachen bedienen können… wir waren erleichtert aber auch schwer genervt.

Nüchtern zusammengefasst, ist es wichtig und richtig genau zu prüfen, wen man ins Land lässt. Die Art und Weise, die einzelne Grenzbeamten an den Tag legen, ist jedoch äußerst grenzwertig. Letztendlich standen wir mit leichtem Schweißgeruch, jedoch mit frischem Visum in den USA und rollten gut gelaunt auf unser erstes Ziel zu. Portland! 

Campen in Großstädten ist so eine Sache. Wir fanden einen empfohlenen Parkplatz inmitten eines ruhigen Wohngebietes, der unser erstes Nachtquartier werden sollte. Spät Abends angekommen wurden wir direkt von einem leicht verwirrten Menschen angesprochen, der in einem Auto mit zerschossenen Scheiben herumwühlte und beteuerte es nicht aufgebrochen zu haben. Für weiteres Suchen war es zu spät und wir blieben trotz mulmigen Gefühls. Nach einer kurzen und durchwachsenen Nacht wurden wir von lauten Kettengeräuschen geweckt. Kurz danach wurden die Straßen um uns herum aufgerissen. Entsprechend gerädert ging es in die Stadt. 

Portland hat wirklich Charme. Die Innenstadt besteht größtenteils aus modernisierten Insustriegebäuden und wirkt wie ein einziges Loft. Die Menschen sind alternativ und sehr entspannt. Nach einem ausgiebigen Spaziergang durch die Innenstadt und entlang des belebten Willamette River zog uns der Hunger zu Voodoo Donuts, einem völlig abgefahrenen Laden. Es gab Donuts in allen Formen und Geschmacksrichtungen. Seien es mit Bacon belegte Schokodonuts, unter Marshmallow und Fruitloops begrabene Kringel oder einfach riesige männliche Geschlechtsteile, es war für jeden Geschmack und Fetisch etwas dabei. Die Kalorien sind hier bestens investiert, der Geschmack war herausragend! 

Ein Model entlang des Willamette River
Finde die Möwe
Typische Architektur Portlands

Ausklingen ließen wir den Tag im Washington Park. Wer vom entspannten Portland etwas Erholung braucht (…?), der wird sie hier mit Sicherheit finden. 

Es musste am Abend noch ein neues Schlafquartier her. Eine gute und sichere Wahl in Großstädten sind eigentlich immer Walmart Parkplätze, wo sich abends Unmengen an Campern versammeln. Dass Portland hier eine Ausnahme ist, erfuhren wir gegen Mitternacht, als uns ein Wachmann des Platzes verwies. Um diese Uhrzeit eine Alternative zu finden ist nahezu unmöglich, und so wurde es nach ewigem Umherkurven ein mitnichten ruhiger und gemütlicher Raststättenparkplatz. Entgegen der allgemeinen Vorstellung, dass eine Weltreise wie langer Urlaub ist, dem/der sei hier gesagt dass dies bei Weitem NICHT der Fall ist! Man sieht unheimlich viel und erlebt tolle Dinge, jedoch ist dies alles mit ständigem Organisieren, stetig neuen Nachtquartieren und häufig schwer durchwachsenen Nächten verbunden. Diese Ansage musste jetzt einfach mal sein.

Schwer übermüdet fehlte uns die Kraft und auch die Lust auf einen weiteren Tag Großstadt, und so ging es an die Küste. Im Cape Lookout Statepark ließen wir zwei Tage die Seele baumeln und kümmerten uns um einige angefallene Aufgaben. Trotz stürmischen und regnerischen Wetters war der Strand ein echtes Highlight und gefühlt endlos lang.

Cape Lookout State Park

Was es dort und auch am Campingplatz kaum gab, war Treib- beziehungsweise Brennholz. Den ersten Abend ohne Feuer konnten wir noch aushalten, am zweiten Abend waren Jannas quälende Blicke jedoch kaum noch auszuhalten, und so zog ich bei Einbruch der Dunkelheit los. Dass aus einer kurzen Wanderung ein halber Tagesausflug werden würde war mir nicht klar. Als ich endlich halbwegs trockenes Treibholz fand, wurde ich aus der Dunkelheit heraus mehrmals angeprustet. Ich hatte tatsächlich eine Robbe übersehen, die sich in ihrem Schönheitsschlaf gestört fühlte. Nach ewigem Rückweg zum Campingplatz hatten wir ein episches Feuer, besser gesagt räucherten wir gefühlt die gesamte amerikanische Westküste aus. Selbst drei gefräßige Waschbären hielten es nicht bei uns aus. Und das soll wirklich etwas heißen… 🙂

Die Zeit bis zu unserer Weihnachtsheimkehr ist gering, wir wollen jedoch noch die gesamte Westküste sowie einige Ziele im Landesinneren bereisen. Es geht also Schlag auf Schlag weiter – bleibt dran!

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Alex
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Alex

Coole Fotos! Ihr müsst nach Moab, Utah… ist der Hammer ! Wann beginnt denn Euer „Weihnachtsurlaub“ ?