Zwischen Plastikmüll und Südseeparadies

Wie schon angekündigt, entschlossen wir uns nach neun Tagen Bali, die Insel zu verlassen und einen Ausflug auf die Nachbarinsel Lombok zu unternehmen. Dort sollte die Natur ebenfalls wie auf Bali wunderschön sein, der Tourismus jedoch lange nicht so ausgebreitet. Bali hatte uns zwar fasziniert, jedoch hatten wir genug von dem wuseligen, lauten und vorallem oft dreckigen Touristenmagnet und wollten noch ein paar Tage Ruhe genießen. Wir besorgten uns Karten für ein Speedboat und starteten morgens von Amed aus in Richtung Lombok. Dort nach einer turbulenten und stickigen Fahrt angekommen, erwartete uns ein ähnlich reges Treiben wie auf Bali: Sofort stürzten Taxifahrer auf uns ein und wollten uns überall für den besten Preis hinkutschieren. Und das teilweise im wahrsten Sinne des Wortes – auf Lombok ist die Pferdekutsche noch eine beliebte Alternative zu Autos und Roller. Und es tat mir sehr leid, die kleinen, dünnen Tiere die überladenen Karren durch die Hitze und den Verkehrslärm schleppen zu sehen. Unser Fahrer holte uns jedoch zum Glück mit einem regulären Auto ab und fuhr mit uns zwei geschlagene Stunden ans andere Ende der Insel an die Ostküste (die viertel Stunde abgezogen, welche er für den Reifenwechsel nach einem plötzlichen Platten am Hinterreifen brauchte; hier wohl fast ein alltägliches Vorkommnis). Und schon auf der Fahrt sahen wir, dass der Plastikmüll auch diese Insel voll im Griff hat. Überall am Straßenrand, in den Gräben und Flussbetten sammelten sich Berge von Müll, in welchem dann Kinder, Straßenhunde und Hühner herumstocherten. Ein trauriger Anblick. Und auch hier gab es Verkehr – viel Verkehr. Knatternde, lärmende und stinkende Mopeds und Laster hupten um die Wette. Und im Hintergrund erhob sich majestätisch der Mount Rinjani, der 3700 m hohe Vulkan und Wahrzeichen Lomboks. Man konnte nur ahnen, dass die Insel wunderschöne Natur in ihrem Landesinneren zu bieten hat, fernab der Hauptstraße.

Unsere Unterkunft war eine kleine Oase im Osten der Insel, wo man auf so gut wie keine Touristen stößt, ganz  inmitten des authentisch-indonesischen Chaos. Sie war direkt am Meer mit schwarzem Lavastrand gelegen und wurde geführt von einer sehr netten einheimischen Gastfamilie, mit welcher wir uns schnell anfreundeten. Wir beschlossen, gleich am nächsten Tag einen Bootsausflug zu buchen, der uns an einige der nahe gelegenen „Secret Gilis“ bringen sollte, an denen man toll schnorcheln können sollte. Nach dem Frühstück wurden wir auf ein altes Fischerboot geladen und zusammen mit unserem einheimischen Guide Adam direkt ins Südseeparadies aus dem Bilderbuch verfrachtet. Es war unglaublich! Die Tour begann mit einer gemütlichen Fahrt durch Mangrovenwälder, durch türkisblaues Wasser und in eine Abgeschiedenheit und Unberührtheit, wie wir sie so lieben. Danach ankerten wir kurz vor Gili Pasaran, der größten der drei anvisierten Inseln. Wir schmissen uns ins badewannenwarme kristallklare Wasser und befanden uns inmitten eines unglaublich farbenfrohen Korallenriffs mit bunten Fischschwärmen, die sich wenig darum scherten, dass wir zwischen ihnen schwammen. Im Laufe des Tages unternahmen wir drei solcher Schnorchelausflüge an jedes Mal atemberaubenden Plätzen mit einer Unterwasserwelt, die ihresgleichen sucht. Wir ärgerten Anemonenfische, wurden von bunten Fischschwärmen begleitet und glitten über eine skurril schöne Korrallenwelt. Zusammen mit den satten Blautönen des Meeres und den einfallenden Sonnenstrahlen ergaben sich Bilder, an welchen wir uns nicht sattsehen konnten. Als wir am späten Nachmittag zurück tuckerten, waren wir hundemüde und sehr glücklich.

Am nächsten Tag brachen wir bereits auf zur nächsten Unterkunft in Tetebatu, einem kleinen Dorf in der Inselmitte. Außer Strand und Meer wollten wir hier noch die Schönheit des Landesinneren sehen, und hier wurden wir nicht enttäuscht. Zusammen mit Joni, unserem jungen eifrigen Wanderguide, traten wir eine Lauftour an, die sich gewaschen hatte . Direkt neben unserem Bungalow erstreckten sich saftig grüne Reisfelder, soweit das Auge reichte. Der leichtfüßige Joni sprang behende in seinen Flip-Flops vor uns her, doch wir rutschten kurz nach Wanderbeginn in die schlammigen Abgründe der Reisfelder ab, was für nasse und dreckige Füße sorgte. Doch Jonis Euphorie und die wunderschöne Landschaft ließen uns das sofort wieder vergessen. Wir lernten, wie man Reis anbaut (und durften auch selbst mithelfen), statteten einer kleinen Kakao- und Kaffeebäuerin einen Besuch ab, wanderten durch dichten Regenwald, badeten in Wasserfällen und genossen traumhafte Ausblicke über die unglaublich grüne Umgebung. Das ist das Reisen, wie es uns gefällt! Die tropischen Wetterverhältnisse machten das Ganze jedoch auch sehr anstrengend, so dass wir nach dieser Wanderung keinen Fuß mehr vor die Tür setzen konnten. Auch wenn der unermüdliche Joni gerne noch den hier so beliebten Reiswein mit uns getrunken hätte…

Den nächsten Tag verbrachten wir mit Regeneration, und am Tag darauf ging es schon wieder zurück nach Bali. Die Fahrt mit dem Speedboat war dieses Mal noch unangenehmer als die Hinfahrt, und als wir in Padang Bai nach stundenlangem Ausharren in der dampfsauna-artigen Hitze des Bootes und starkem Seegang ankamen, waren wir schon wieder zu geplättet für weitere Erkundungstouren. Immerhin bekamen wir abends doch noch unseren Reiswein, und zwar in einem winzigen Restaurant abseits des Touristenzentrums. Die ältere Besitzerin holte auf unsere Nachfrage stolz eine Flasche aus ihrem Versteck, welches nach ihren Angaben nicht einmal die Polizisten bei der letzten Durchsuchung gefunden hatten. Wir mussten nur versprechen, bei einer Nachfrage der Polizei anzugeben, dass wir Wasser trinken, und schon hatten wir es in den Gläsern. Fragt nicht nach dem Geschmack…

Am nächsten Tag bretterten wir mit einem heruntergekommenen Taxi aber witzigem Fahrer wieder durch das aberwitzige Verkehrschaos von Denpasar, um uns nach zwei wilden Wochen Indonesien am schicken und modernen Flughafengebäude absetzen zu lassen. Welch ein Kontrast zu dem Rest des Landes! Und dieser Kontrast sollte noch viel krasser werden  – das nächste Ziel unserer Weltreise war Singapur!

Darüber geht es im nächsten Beitrag. Ihr dürft gespannt sein!

Muschel im Lavasand
Anfahrt in den Mangrovenwald
Gili Kondor
Schnorchel-Paradies
Reisbauern bei der Arbeit
Sattes Grün
Welcome to get waterfall!

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mista_birdy
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mista_birdy

Was macht man an einem sonnigen Feiertag morgens auf der Terrasse mit einer schönen Tasse Kaffee?
Rrrrichtig. Spannenden Blog lesen. Wunderschön. Wir waren auch schon auf einer Rundreise in Indonesien und es war superschön.
So, jetzt „tauche“ ich auch mal ins Gemüsebeet ab, Lauchernte steht an. 😊
Euch weiterhin viele spannende uns unvergessliche Momente.
Ihr/Euer
mista_birdy