Going South

Nach unserem Aufenthalt im Cape Lookout State Park lagen über 1000 Meilen Küstenstraße bis nach Los Angeles vor uns. Daher hieß es die nächsten Tage: fahren, fahren, fahren! Natürlich wollten wir nicht nur die Straße entlang brettern, sondern suchten uns diverse Zwischenziele zum Besichtigen aus und hielten oft spontan, wo es uns gerade gefiel. Einen dieser spontanen Stopps legten wir in Pacific City ein, wo ein breiter, wilder Sandstrand direkt von der Straße aus zugänglich war. Das Wetter war noch immer stürmisch, und dementsprechend hoch waren die Wellen, die hier hereinbrachen. Die wilde Brandung an der rauen Küste faszinierte uns, und so hielten wir ein paar Meilen weiter wieder an einem Aussichtspunkt. Einige wild gestikulierende Menschen riefen uns durch den Wind zu, dass sie Wale gesehen hätten, und tatsächlich – einige Buckelwale tauchten immer wieder direkt vor der Küste auf, und so beobachteten wir sie begeistert, bis wir total durchnässt waren. Weiter südwärts bei Florence suchten wir uns einen Stellplatz für die Nacht, direkt neben endlosen Dünen, die wir am nächsten Tag durchwanderten. Bei Nebel, Wind und Regen hatte diese Landschaft einen besonderen Reiz, nicht zuletzt, weil die Strände menschenleer waren.

Bucht bei Pacific City

Am nächsten Tag wollten wir uns den Jedediah Smith Redwoods State Park anschauen, der bekannt ist für seine riesigen und uralten Mammutbäume mit bis zu 90 Meter Höhe und 20 Meter Stammumfang. Schon als wir zum Parkplatz fuhren, kamen wir uns in unserem eigentlich großen Camper winzig klein vor, und bei der Wanderung durch den Wald wie Ameisen! Ein Foto veranschaulicht die Dimensionen besser als Worte:

Finde Chris

Da wir nachmittags noch einiges erledigen mussten, wie Vorräte und Wasser auffüllen, wurde es dunkel, bis wir nach einer langen Fahrt im dichten Nebel und müde am ausgesuchten Campingplatz ankamen. Besser gesagt an der Schranke, die den Weg dahin versperrte, mit der inzwischen verhassten Aufschrift „Closed for the season“! Wir waren zu erschöpft zum Fluchen und fuhren den ganzen Weg wieder zurück, um letztendlich in einem ziemlich heruntergekommenen Campingplatz einen der letzten Stellplätze inmitten von gigantischen Bäumen zu bekommen. Tagsüber noch romantisch, erscheinen diese Riesen nachts im Schein des Lagerfeuers einfach nur unheimlich, und die verwirrt wirkenden Nachbarn in ihren vermüllten Campern machten es auch nicht besser. Wir nahmen uns vor, uns die nächsten Nächte einen schönen Stellplatz für etwas mehr Geld zu leisten, und die Wahl fiel auf den Gold Bluffs Beach Campground direkt am Pazifik. Die Anfahrt führte uns eine nicht ganz einfache Strecke durch einen Wald (voller Mammutbäume – natürlich!), und wir amüsierten uns über die Schilder, die vor aggressiven Elchen warnten. Mir blieb das Lachen im Hals stecken, als wir nach einer Kurve direkt in einer großen Elchherde standen, deren Anführer mit beeindruckendem Geweih keine Anzeichen von Angst vor unserem Auto zeigte. Wir kamen jedoch unbeschadet am Campingplatz an, und entschieden sofort – hier bleiben wir zwei Nächte! Das Meer in Sichtweite, inmitten von Dünen, gepflegt und mit Feuerstellen, das war Luxus pur. Wir unternahmen Strandwanderungen, folgten den Spuren von Elchen im  Sand, fuhren das Sportprogramm wieder hoch und kümmerten uns um alltägliche Dinge wie kleine Reparaturen und Putzen. So ein „freier“ Tag (im Sinne von nicht unterwegs sein und sich abends einen neuen Platz suchen) ist schnell vorbei! Abends beim Grillen raschelte es wieder verdächtig im Gebüsch, doch statt Elche wuselte dieses Mal ein Stinktier über unseren Platz! Wir staunten nicht schlecht, das hatten wir noch nicht auf unserer doch recht langen Liste der bisher gesichteten Wildtiere.

Anführer der Herde

Bevor es tags drauf weiter in Richtung Süden ging, statteten wir dem sogenannten Fern Canyon noch einen Besuch ab. Hier zahlte es sich mal wieder aus, dass wir ein geländegängiges Fahrzeug haben, da wir bei der Anfahrt einige Male durch Flüsse fahren mussten, die einfach mal über die Straße flossen. Aber kein Problem für unseren inzwischen heiß geliebten Pickup, und so kamen wir trockenen Fußes am Wanderweg an. Dieser übertraf dann mal wieder all unsere Erwartungen. Wir fanden uns in einer wilden Schlucht wider, deren steile Wände auf beiden Seiten von grasgrünen Farnen und Moosen bewachsen waren, und durch den sich ein glasklarer Fluss seinen Weg bahnte. Wir sprangen von umgefallenen Baumstämmen zu großen Steine (und manchmal auch unabsichtlich ins Wasser) und waren ein Mal mehr beeindruckt von der Schönheit der Natur, die sich entwickelt, sobald der Mensch seine Finger aus dem Spiel lässt.

Fern Canyon

Zurück auf der Route 101 fuhren wir noch ein ganzes Stück Richtung Süden, wir bis uns auf einem Parkplatz am Meer für die Nacht niederließen. Sofort wurden wir von einer Horde Geier neugierig umkreist, die uns aber in Ruhe ließen, als sie gemerkt hatten, dass wir noch zu lebendig für sie waren. Erleichtert genossen wir den Sonnenuntergang bei einer Flasche Sekt – die erste seit zwei Monaten! Das ist für Alkis wie uns lange..

Der nächste Tag war wieder durch Fahren bestimmt, und wir hielten nachmittags an einer Bucht, von der man Robben beobachten können sollte. Doch hier waren nicht die Robben die Attraktion: Neben Möwen tummelten sich Hunderte von Pelikanen und machten einen Riesenlärm. Wir setzten uns mit unseren Kameras in den Sand und fühlten uns wie Wildtier-Fotografen auf der Suche nach dem perfekten Schuss. Die Pelikane gaben endlos tolle Motive ab, wie sie vor dem Abheben auf dem Wasser liefen, beim Landen ins Wasser köpften oder einfach nur majestätisch knapp über der Wasseroberfläche glitten. Ein paar mehr Fotos gibt´s bald in unserer Galerie!

Eleganter Landeanflug
Erwischt!

Eigentlich wollten wir an diesem Tag noch nach San Francisco fahren, doch es wurde zu spät, und wir blieben die Nacht auf einem toll angelegten Campingplatz mal wieder direkt am Meer. Wir genossen den Luxus von Spültoiletten und großen Müllcontainern (ja, was man alles zu schätzen lernt…), und freuten uns an den Rufen der Robben, die man beim Einschlafen und Aufwachen hörte. Ein Strandspaziergang bei Sonnenaufgang war der perfekte Start in den Tag.

Sonnenaufgang am Dorian Beach
Kleine Schönheit im Sand

Bevor wir endgültig nach San Francisco fuhren, machten wir noch einen Abstecher in die Drakes Bay. Dort sollte es wilde See-Elefanten zu sehen geben, die größten Robben der Welt! Die Anfahrt entpuppte sich als wildes Schlagloch-Inferno, und ich fluchte hinterm Steuer nicht schlecht. Endlich angekommen, lagen die Nerven blank und ich wäre stinksauer gewesen, wären die Robben nicht dagewesen. Aber wir hatten Glück: keine 50 Meter mussten wir laufen, da eröffnete sich uns ein Blick auf einen Sandstrand voller dicker Wülste, die sich allesamt als schlafende Robben herausstellten. Der Aussichtspunkt wurde für die nächsten zwei Stunden unser Zuhause und wir beobachteten fasziniert diese großen Tiere. Wenn wir gewusst hätten, dass wir See-Elefanten bald direkt vor der Nase haben sollten, hätten wir uns vielleicht über die mühsame Anfahrt geärgert. So ging es aber mit deutlich besserer Laune enstpannt über die Rumpelpiste zurück und Richtung Golden Gate Bridge. San Francisco, wir kommen!

Drakes Bay
See-Elefanten schlafen am Strand

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Doria
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Doria

Dann geratet mal in keinen Waldbrand, ihr zwei Ameisen!
Gibt ja auch noch gen Westen ein paar Ziele, die sich lohnen würden 😉